Erfahren Sie, wie wir Mobbing Betroffenen zur Seite stehen.
Diese Seite informiert über Mobbing, zeigt Unterstützung für Betroffene auf, um Verständnis und Hilfe zu fördern.

Was ist Mobbing?
Mobbing bezeichnet das wiederholte und gezielte Schikanieren, Ausgrenzen oder Demütigen einer Person über einen längeren Zeitraum. Ziel ist es, die betroffene Person einzuschüchtern, herabzusetzen oder aus einer Gruppe auszuschließen. Mobbing kann in der Schule, am Arbeitsplatz, im Verein oder im Internet (Cybermobbing) stattfinden. Es unterscheidet sich von einem einmaligen Streit dadurch, dass die Angriffe regelmäßig erfolgen und ein Ungleichgewicht der Kräfte zwischen Täter und Opfer besteht.
Quelle: Bundeszentrale für politische Bildung (bpb): Mobbing.
Formen von Mobbing
Es gibt verschiedene Formen von Mobbing:
- Verbales Mobbing: Beleidigungen, Beschimpfungen oder Gerüchte.
- Soziales Mobbing: Ausgrenzen, Ignorieren oder Ausschließen aus einer Gruppe.
- Körperliches Mobbing: Schubsen, Schlagen oder Beschädigen von Eigentum.
- Cybermobbing: Beleidigungen, Drohungen oder das Verbreiten von Bildern und Gerüchten über soziale Netzwerke oder Messenger-Dienste.
Quelle: BIÖG
Erfahrung Bericht
Ich bin Mutter von Jungs mit ADHS, ADS und Hochbegabung, die alle in der Schule gemobbt wurden. Die Schule stellte mich immer als die Böse dar, weil ich das Problem erkannt und benannt habe. Die Aussage der Schule bei zwei meiner Jungs war: „Hier gibt es kein Mobbing“ und von der anderen Schule hieß es: „Wir sind strikt gegen Mobbing und handeln sofort, wenn wir es sehen.“ Naja, was soll ich sagen? Das Mobbing hörte nie auf. Es ging sogar so weit, dass man mich angriff und mich sozusagen mobbte. Leider sehen viele Schulen das Problem nicht oder schauen weg, weil es als normales Verhalten gilt, wenn man andere runtermacht, schubst, beleidigt oder sogar schlägt. Aber was das mit einem macht, sehen sie nicht. Und wenn sie es sehen, heißt es oft, zu Hause müsse etwas nicht stimmen, wenn sich das Kind zurückzieht, still wird oder sich wehrt.
Bei meinem Ältesten kamen einmal einige Jugendliche auf mich zu und erzählten, was mein Sohn gemacht hat. Ich sah ihn wütend und aufgebracht aus der Schule stürmen. Ich fragte die Gruppe, was sie getan hätten. Sie sagten nichts. Ich fragte noch zweimal mit ernstem Blick, was sie getan haben, damit er so ist. Dann brach ein Mädchen ihr Schweigen und sagte: „Wir haben ihn geärgert und mit Dingen beworfen.“ Ich musste schmunzeln und sagte ruhig: „Tja, dann habt ihr wohl Pech gehabt, dass er am Ende so drauf ist,“ drehte mich um und ging. Danach war es nie wieder so extrem, aber aufgehört hatte es nicht richtig. Seitens der Schule wurde nur sporadisch darauf geachtet, dass sie ihn nicht mobben.
Mein zweiter Sohn erlebte es schon in der Grundschule. Dort wurde er von einem Mitschüler geschubst, geschlagen, beleidigt und sogar gewürgt. Als ich das dem Lehrer wiederholt sagte, antwortete er nur: „Der Junge ist krank, da kann man nichts machen.“ Ich entgegnete: „Mein Großer ist auch krank – wenn er sich jetzt wehren würde, dürfte ich dann auch sagen, dass er krank ist und man nichts machen kann?“ Im Beisein meines Sohnes und des Täters sagte ich zum Lehrer, dass mein Sohn jetzt Kickboxen macht und sich wehren darf, wenn so etwas noch einmal passiert. Danach war in der Grundschule Ruhe. Als er in der 8. Klasse war, gab es wieder einen Vorfall. Mein Sohn sagte zu einem Mobber: „Wenn du mich nicht endlich in Ruhe lässt, knall ich dir eine.“ Der Mobber lachte und machte weiter. Mein Sohn sagte ihm zweimal, er solle endlich aufhören, und beim dritten Mal schlug er zu. Danach hatte er für die restlichen zwei Schuljahre Ruhe.
Beim Kleinsten war es am schlimmsten. Dort wurde sogar ich von der Schule gemobbt, und man versuchte, ihr Versagen auf das äußere Umfeld zu schieben. Er wurde wegen seines Aussehens und seiner Hobbys gemobbt und sogar geschlagen. Ich meldete es von Anfang an der Lehrerin, aber mehr als ein Gespräch mit den Schülern passierte nicht. Mein Sohn veränderte sich täglich mehr, und da war für mich Schluss mit lustig. Ich ging mit ihm andere Wege, um ihm zu helfen. Schulisch hieß es immer: „Wir sind strikt gegen Mobbing und handeln sofort, wenn wir es sehen.“ Meine Antwort darauf war: „Wenn ihr es seht.“ Das meiste passierte vor und nach der Schule auf dem Schulweg und Heimweg. Da keine Hilfe seitens der Schule kam und es nicht aufhörte, entwickelte mein Sohn Ängste und verlor das Vertrauen in die Schule und das Lehrpersonal. Ein Schulwechsel bzw. Wechsel der Schulform wurde mir von der Schule verweigert, da ich keine Zustimmung für den Wechsel erhielt. Deshalb gehe ich den Weg jetzt mit dem Jugendamt, einem Psychologen und einer Familienhilfe, die mich sehr gut unterstützen, damit wir so schnell wie möglich endlich von dieser Schule wegkommen. Ich sehe das Verhalten der Schule als Mobbing. Der Psychologe meines Sohnes fragte mich nach den Namen der Täter, da diese meist bekannt und behandelt werden. Leider konnte ich sie ihm nicht nennen, da ich nur von zwei Kindern den Vornamen von meinem Sohn kannte und die anderen eine Klasse über ihm waren, deren Namen er nicht kennt. Mein Sohn geht nachmittags in eine Tagesgruppe und baut langsam wieder Vertrauen zu Fremden auf. Auch sein Verhalten hat sich verbessert, da er sieht, dass nicht alle Menschen so sind wie diejenigen, die er kennengelernt hat.
Viele Schulen sehen das Problem nicht oder wollen es nicht sehen, weil es Arbeit bedeutet. Andere Schulen handeln, und in den meisten Fällen herrscht zumindest schulisch Ruhe. Auch privat kann man mit einer guten Schule und gutem Lehrpersonal das Problem lösen. Für viele ist das leider zu viel Arbeit. Das soll nicht heißen, dass man sich immer so wehren muss, aber in einigen Fällen ist es leider nicht anders möglich, wenn Schule und andere Institutionen nicht handeln wollen oder können. Manchmal muss man auch andere Wege gehen, wie zum Beispiel das Schulamt, die Polizei, das Jugendamt (wenn alle Stricke reißen) und natürlich Psychologen, um psychische Probleme vorzubeugen oder zu behandeln. Mobbing wirkt sich nicht nur auf die betroffenen Kinder aus, sondern auch auf uns Eltern.
Wie läuft Mobbing ab?
Mobbing entsteht meist nicht plötzlich, sondern entwickelt sich schrittweise. Oft beginnt es mit kleinen Konflikten oder Sticheleien. Wenn diese sich wiederholen und eine Person gezielt ausgegrenzt oder schikaniert wird, kann daraus Mobbing entstehen. Ein Kennzeichen von Mobbing ist, dass die Angriffe über einen längeren Zeitraum stattfinden und die betroffene Person sich kaum dagegen wehren kann.
Typischer Ablauf von Mobbing
1. Erste Konflikte
Am Anfang kommt es häufig zu Meinungsverschiedenheiten oder Streit. Diese sind zunächst noch normal und bedeuten nicht automatisch Mobbing. Erst wenn eine Person wiederholt angegriffen wird, entwickelt sich daraus Mobbing.
2. Wiederholte Schikanen
Die betroffene Person wird regelmäßig beleidigt, ausgelacht, ausgeschlossen oder durch Gerüchte verletzt. Die Angriffe werden mit der Zeit häufiger und gezielter.
3. Ausgrenzung
Betroffene werden von gemeinsamen Aktivitäten ausgeschlossen, ignoriert oder bewusst isoliert. Dadurch fühlen sie sich oft einsam und hilflos.
4. Psychische und körperliche Folgen
Durch das anhaltende Mobbing können Angst, Stress, Schlafstörungen, Konzentrationsprobleme, Depressionen oder körperliche Beschwerden entstehen. Die Leistungen in der Schule oder am Arbeitsplatz verschlechtern sich häufig.
5. Hilfe und Intervention
Damit Mobbing endet, ist es wichtig, früh Hilfe zu suchen. Betroffene sollten sich an Lehrkräfte, Eltern, Vertrauenspersonen, den Arbeitgeber oder Beratungsstellen wenden. Je früher eingegriffen wird, desto besser können weitere Folgen verhindert werden.
Folgen von Mobbing
Mobbing kann schwerwiegende Auswirkungen auf die psychische, körperliche und soziale Gesundheit haben. Je länger das Mobbing andauert, desto größer ist das Risiko für langfristige Folgen.
1. Psychische Folgen
Betroffene leiden häufig unter:
- Angst und Unsicherheit,
- geringem Selbstwertgefühl,
- Depressionen,
- Konzentrationsproblemen,
- Schlafstörungen,
- Stress und Erschöpfung.
In schweren Fällen können auch Selbstverletzungen oder Suizidgedanken auftreten.
Quelle: Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) – Cybermobbing
2. Körperliche Folgen
Mobbing kann sich auch körperlich bemerkbar machen. Häufige Beschwerden sind:
- Kopf- und Bauchschmerzen,
- Schlafstörungen,
- Appetitlosigkeit,
- Müdigkeit,
- Herz-Kreislauf-Beschwerden durch anhaltenden Stress.
Quelle: BMFSFJ – Formen der Gewalt erkennen
3. Soziale Folgen
Mobbing führt oft dazu, dass Betroffene:
- sich von Freunden und Familie zurückziehen,
- Schwierigkeiten haben, neue Kontakte zu knüpfen,
- das Vertrauen in andere Menschen verlieren,
- sich einsam fühlen.
Quelle: BMFSFJ – Formen der Gewalt erkennen
4. Folgen für Schule oder Beruf
Mobbing kann die Leistungen deutlich verschlechtern. Häufige Folgen sind:
- Konzentrationsprobleme,
- schlechtere Noten oder Arbeitsleistungen,
- häufiges Fehlen,
- Schul- oder Arbeitsplatzwechsel,
- Ausbildungs- oder Studienabbruch.
Quelle: BMFSFJ – Cybermobbing
5. Langfristige Folgen
Bleibt Mobbing über längere Zeit bestehen, können die Auswirkungen auch im Erwachsenenalter anhalten. Dazu gehören:
- chronische psychische Erkrankungen,
- geringes Selbstvertrauen,
- soziale Ängste,
- Schwierigkeiten im Berufs- und Privatleben.
