Anorexie

Erfahren Sie alles über Anorexie, ihre Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten.

Anorexie, auch Anorexia nervosa oder Magersucht genannt, ist eine schwere Essstörung. Betroffene schränken ihre Nahrungsaufnahme stark ein und verlieren dadurch häufig deutlich an Gewicht. Oft besteht eine intensive Angst vor dem Zunehmen sowie eine verzerrte Wahrnehmung des eigenen Körpers.

Anorexie erklärt

Anorexie, medizinisch Anorexia nervosa und umgangssprachlich Magersucht genannt, ist eine schwere psychische Erkrankung. Sie gehört zu den Essstörungen und ist durch eine stark eingeschränkte Nahrungsaufnahme, ein zu niedriges Körpergewicht beziehungsweise einen deutlichen Gewichtsverlust und eine intensive Angst vor einer Gewichtszunahme gekennzeichnet.

Die Erkrankung ist keine freiwillige Diät und kein Zeichen besonderer Disziplin. Gedanken über Essen, Gewicht und Figur können den Alltag zunehmend beherrschen. Betroffene erkennen häufig nicht, wie ernst ihr körperlicher Zustand bereits ist.

Typische Merkmale

Zu den häufigsten Merkmalen gehören:

  • starke Einschränkung der Nahrungsaufnahme
  • Vermeidung kalorienreicher Lebensmittel
  • ständiges Kalorienzählen
  • intensive Angst vor einer Gewichtszunahme
  • häufiges Wiegen und Kontrollieren des Körpers
  • übermäßige Bedeutung von Gewicht und Figur für das Selbstwertgefühl
  • verzerrte oder stark negative Wahrnehmung des eigenen Körpers
  • Verheimlichen des Essverhaltens
  • Rückzug von gemeinsamen Mahlzeiten
  • übermäßige körperliche Bewegung
  • fehlende Einsicht in die Schwere des Untergewichts

Betroffene entwickeln möglicherweise feste Essrituale. Sie schneiden Lebensmittel beispielsweise in sehr kleine Stücke, essen ungewöhnlich langsam, verschieben Mahlzeiten oder behaupten, bereits gegessen zu haben. Manche beschäftigen sich intensiv mit Rezepten und kochen für andere, ohne selbst ausreichend zu essen.

Formen der Anorexie

Grundsätzlich können zwei Erscheinungsformen unterschieden werden:

Restriktive Form:
Das Gewicht wird hauptsächlich durch stark eingeschränktes Essen, Fasten oder übermäßige Bewegung reduziert.

Form mit Essanfällen oder Gegenmaßnahmen:
Zusätzlich zur eingeschränkten Nahrungsaufnahme treten Essanfälle oder Maßnahmen wie Erbrechen sowie der Missbrauch von Abführmitteln oder entwässernden Medikamenten auf.

Die Formen können sich im Verlauf verändern und ineinander übergehen.

Körperbild und Selbstwertgefühl

Viele Betroffene empfinden sich trotz Untergewicht als zu dick oder konzentrieren sich stark auf einzelne Körperstellen. Andere erkennen möglicherweise, dass sie dünn sind, haben aber trotzdem große Angst vor einer Gewichtszunahme.

Das Selbstwertgefühl hängt häufig stark von Gewicht, Figur und der vermeintlichen Kontrolle über das Essen ab. Eine Gewichtsabnahme kann zunächst als Erfolg wahrgenommen werden. Dadurch fällt es Betroffenen oft schwer, die Erkrankung selbst zu erkennen oder Hilfe anzunehmen.

Ursachen und Risikofaktoren

Anorexie hat keine einzelne Ursache. Meist wirken biologische, psychische, familiäre und gesellschaftliche Faktoren zusammen.

Mögliche Risikofaktoren sind:

  • genetische Veranlagung
  • Veränderungen von Hormonen und Botenstoffen
  • Perfektionismus und hoher Leistungsanspruch
  • geringes Selbstwertgefühl
  • starkes Bedürfnis nach Kontrolle
  • Schwierigkeiten beim Umgang mit Gefühlen
  • belastende oder traumatische Erfahrungen
  • Mobbing und abwertende Bemerkungen über den Körper
  • häufige Diäten
  • gesellschaftliche Schönheitsideale
  • starke Vergleiche in sozialen Medien
  • Sportarten oder Berufe, in denen Gewicht und Figur eine besondere Rolle spielen

Keiner dieser Faktoren verursacht allein eine Anorexie. Auch Eltern oder andere Angehörige tragen nicht automatisch die Schuld an der Erkrankung.

Wer kann betroffen sein?

Anorexie beginnt besonders häufig während der Pubertät oder im jungen Erwachsenenalter. Sie kann jedoch in jedem Lebensalter auftreten.

Mädchen und Frauen sind häufiger betroffen, aber auch Jungen, Männer und nichtbinäre Menschen können erkranken. Bei ihnen wird die Erkrankung möglicherweise später erkannt, weil Anorexie oft fälschlicherweise als ausschließlich weibliche Erkrankung betrachtet wird.

Körperliche Folgen

Durch die zu geringe Energie- und Nährstoffaufnahme schaltet der Körper zunehmend auf einen Sparzustand um. Mögliche Folgen sind:

  • Müdigkeit und Schwäche
  • starkes Frieren
  • Konzentrations- und Gedächtnisprobleme
  • Schwindel und Kreislaufbeschwerden
  • niedriger Blutdruck
  • verlangsamter Herzschlag
  • Herzrhythmusstörungen
  • Muskelschwund
  • trockene Haut und Haarausfall
  • feine, flaumartige Körperbehaarung
  • Verdauungsbeschwerden und Verstopfung
  • geschwächtes Immunsystem
  • Störungen der Nieren- und Leberfunktion
  • verringerte Knochendichte und Osteoporose
  • Veränderungen des Salz- und Flüssigkeitshaushalts

Bei Kindern und Jugendlichen können sich Wachstum und Pubertät verzögern. Bei Mädchen und Frauen kann die Monatsblutung ausbleiben. Bei Jungen und Männern können der Testosteronspiegel, die sexuelle Lust und die Potenz abnehmen. Die Fruchtbarkeit kann bei allen Geschlechtern beeinträchtigt werden.

Bei selbst herbeigeführtem Erbrechen können zusätzlich Zähne, Speiseröhre, Speicheldrüsen und Nieren geschädigt werden.

Psychische und soziale Folgen

Anorexie beeinflusst nicht nur den Körper, sondern auch Denken, Gefühle und Beziehungen. Mögliche Folgen sind:

  • Reizbarkeit und Stimmungsschwankungen
  • depressive Beschwerden
  • Angst- und Zwangssymptome
  • sozialer Rückzug
  • Verlust von Interessen
  • Schwierigkeiten in Schule, Ausbildung oder Beruf
  • Konflikte mit Angehörigen
  • starke Schuldgefühle nach dem Essen
  • Selbstverletzungen oder Suizidgedanken

Die Mangelernährung kann psychische Beschwerden zusätzlich verstärken. Dadurch kann ein Kreislauf entstehen, in dem die Erkrankung immer mehr Bereiche des Lebens kontrolliert.

Verlauf

Anorexie kann unterschiedlich verlaufen. Manche Menschen erholen sich vollständig, bei anderen treten Rückfälle auf oder die Erkrankung besteht über einen längeren Zeitraum. Sie kann außerdem in eine Bulimie oder eine andere Essstörung übergehen.

Eine frühe fachliche Unterstützung verbessert die Aussichten auf Genesung. Auch nach längerer Erkrankungsdauer ist eine Besserung möglich.

Unterschied zu anderen Essstörungen

Bei der Bulimie treten Essanfälle mit Kontrollverlust und anschließend regelmäßige Gegenmaßnahmen auf. Das Körpergewicht liegt häufig im Normalbereich.

Bei der Binge-Eating-Störung treten ebenfalls Essanfälle auf, jedoch normalerweise ohne regelmäßiges Erbrechen, Fasten oder andere Gegenmaßnahmen.

Bei einer atypischen Anorexie bestehen deutliche anorexietypische Gedanken und Verhaltensweisen sowie ein erheblicher Gewichtsverlust, obwohl das Gewicht möglicherweise noch im Normalbereich oder darüber liegt. Auch diese Form kann medizinisch gefährlich sein.

Wann sofortige Hilfe notwendig ist

Dringende medizinische Hilfe ist erforderlich bei:

  • Ohnmacht oder starkem Kreislaufzusammenbruch
  • Brustschmerzen oder auffälligem Herzschlag
  • starker Schwäche oder Verwirrtheit
  • schwerer Austrocknung
  • Nahrungs- oder Flüssigkeitsverweigerung
  • Blut im Erbrochenen
  • akuten Suizidgedanken oder Selbstgefährdung

Anorexie ist behandelbar. Geeignete erste Anlaufstellen sind eine Hausarztpraxis, eine psychotherapeutische Praxis oder eine spezialisierte Beratungsstelle für Essstörungen.

Quellen:

Anorexie-Statistik in Deutschland

Genaue Angaben zur Häufigkeit von Anorexie unterscheiden sich je nach Untersuchungsmethode, Altersgruppe und Diagnosekriterien. Außerdem wird die Erkrankung häufig nicht erkannt oder nicht behandelt, sodass von einer Dunkelziffer auszugehen ist.

Statistische AngabeHäufigkeit
Erwachsene zwischen 18 und 79 Jahren, die innerhalb eines Jahres betroffen sindetwa 0,8 %
Frauen mit Anorexie innerhalb eines Jahresetwa 1,2 %
Männer mit Anorexie innerhalb eines Jahresetwa 0,3 %
Mädchen und Frauen, die im Laufe ihres Lebens erkrankenungefähr 14 von 1.000 beziehungsweise 1,4 %
Jungen und Männer, die im Laufe ihres Lebens erkrankenungefähr 2 von 1.000 beziehungsweise 0,2 %
Stationäre Behandlungsfälle wegen Anorexie im Jahr 2023rund 9.200 Fälle
Anteil der Anorexie an allen stationär behandelten Essstörungen 2023etwa 76 %

Unterschiede zwischen Frauen und Männern

Frauen und Mädchen sind deutlich häufiger betroffen als Männer und Jungen. Nach den Ergebnissen der deutschen DEGS1-MH-Studie lag die 12-Monats-Häufigkeit bei Frauen bei ungefähr 1,2 Prozent und bei Männern bei etwa 0,3 Prozent.

Anorexie kann jedoch bei Menschen jedes Geschlechts auftreten. Bei Jungen und Männern wird sie möglicherweise häufiger übersehen, weil Essstörungen gesellschaftlich oft als weibliche Erkrankungen wahrgenommen werden. Außerdem kann bei ihnen statt des Wunsches nach einem besonders dünnen Körper das Streben nach einem schlanken und muskulösen Körper im Vordergrund stehen.

Betroffene Altersgruppen

Anorexie beginnt besonders häufig im frühen Jugendalter beziehungsweise während der Pubertät. Sie kann aber auch im jungen Erwachsenenalter, in der Lebensmitte oder im höheren Alter auftreten.

Kinder und Jugendliche stellen einen großen Anteil der stationär behandelten Menschen mit Essstörungen dar. Im Jahr 2023 war mehr als die Hälfte aller wegen einer Essstörung stationär behandelten Patientinnen und Patienten jünger als 18 Jahre. Diese Zahl bezieht sich allerdings auf sämtliche Essstörungen und nicht nur auf Anorexie.

Stationäre Behandlungen

Im Jahr 2023 wurden in Deutschland rund 12.100 stationäre Behandlungsfälle wegen einer Essstörung erfasst. Bei ungefähr 9.200 Fällen wurde Anorexie festgestellt. Damit war sie mit einem Anteil von etwa 76 Prozent die häufigste Essstörung unter den stationären Behandlungsfällen.

Diese Zahlen zeigen nicht, wie viele Menschen in Deutschland insgesamt an Anorexie erkrankt waren. Viele Betroffene werden ambulant behandelt oder nehmen keine professionelle Hilfe in Anspruch. Außerdem kann eine Person mehrfach innerhalb eines Jahres stationär aufgenommen und dadurch mehrfach gezählt werden.

Lebenszeithäufigkeit

Nach zusammengefassten internationalen Studien erkranken im Laufe ihres Lebens ungefähr 14 von 1.000 Mädchen und Frauen sowie 2 von 1.000 Jungen und Männern an Anorexie.

Vergleichbare Lebenszeitangaben, die ausschließlich aus deutschen Studien stammen, liegen bisher nicht in gleicher Qualität vor. Die Zahlen gelten daher als wissenschaftliche Orientierungswerte und nicht als genaue Zählung aller Erkrankten in Deutschland.

Warum unterscheiden sich die Zahlen?

Die Angaben können aus mehreren Gründen abweichen:

  • Manche Studien betrachten nur ein Jahr, andere die gesamte Lebenszeit.
  • Die untersuchten Altersgruppen sind unterschiedlich.
  • Es werden verschiedene Diagnosekriterien verwendet.
  • Atypische Formen werden nicht immer mitgezählt.
  • Viele Betroffene verheimlichen ihre Erkrankung.
  • Nicht alle Erkrankten suchen professionelle Hilfe.
  • Krankenhausstatistiken erfassen Behandlungsfälle und nicht sämtliche erkrankten Personen.

Die tatsächliche Zahl der Betroffenen kann deshalb höher sein als die Zahl der bekannten Diagnosen und Behandlungsfälle.

Quellen:

Anorexie nach ICD-10

Die ICD-10 ist ein internationales System zur Einteilung und Verschlüsselung von Krankheiten. Anorexie gehört zur Gruppe der Essstörungen und wird in der deutschen ICD-10-GM unter folgendem Hauptcode eingeordnet:

F50.0 – Anorexia nervosa

Kennzeichnend ist ein absichtlich herbeigeführter oder aufrechterhaltener Gewichtsverlust. Gleichzeitig besteht meist eine ausgeprägte Angst vor einer Gewichtszunahme. Betroffene setzen sich häufig eine sehr niedrige persönliche Gewichtsgrenze und bewerten Gewicht und Figur übermäßig stark.

Typische Merkmale

Zur klassischen Anorexia nervosa gehören:

  • deutlich zu niedriges Körpergewicht
  • selbst herbeigeführter Gewichtsverlust
  • starke Einschränkung der Nahrungsaufnahme
  • Vermeidung kalorienreicher Lebensmittel
  • intensive Angst vor dem Zunehmen
  • verzerrte oder stark negative Wahrnehmung des eigenen Körpers
  • übermäßiger Einfluss von Gewicht und Figur auf das Selbstwertgefühl
  • körperliche Folgen von Unterernährung

Der Gewichtsverlust kann durch Fasten, übermäßige Bewegung, selbst herbeigeführtes Erbrechen oder den Missbrauch von Abführmitteln, Appetitzüglern und entwässernden Medikamenten verursacht werden.

Unterformen der Anorexie

Die in Deutschland verwendete ICD-10-GM unterscheidet folgende Unterformen:

ICD-10-GM-CodeBedeutung
F50.00Anorexia nervosa, restriktiver Typ
F50.01Anorexia nervosa, aktiver Typ
F50.08Sonstige oder nicht näher bezeichnete Anorexia nervosa
F50.1Atypische Anorexia nervosa

F50.00 – Restriktiver Typ

Beim restriktiven Typ wird das Gewicht hauptsächlich durch eine starke Einschränkung der Nahrungsaufnahme niedrig gehalten. Betroffene essen sehr wenig, fasten oder vermeiden bestimmte Lebensmittel.

Regelmäßige Maßnahmen wie selbst herbeigeführtes Erbrechen oder der Missbrauch von Abführmitteln stehen dabei nicht im Vordergrund. Übermäßige Bewegung kann dennoch vorkommen.

F50.01 – Aktiver Typ

Beim aktiven Typ werden zusätzliche Maßnahmen zur Gewichtsreduktion eingesetzt. Dazu gehören:

  • selbst herbeigeführtes Erbrechen
  • Abführmittelmissbrauch
  • entwässernde Medikamente
  • Appetitzügler
  • übermäßige körperliche Bewegung
  • Essanfälle mit anschließenden Gegenmaßnahmen

Diese Form wird auch als bulimischer Typ der Anorexia nervosa bezeichnet. Der Unterschied zur Bulimie liegt besonders darin, dass bei Anorexia nervosa ein deutlich zu niedriges Körpergewicht besteht.

F50.08 – Sonstige oder nicht näher bezeichnete Anorexie

Dieser Code wird verwendet, wenn eine Anorexia nervosa besteht, aber die genaue Unterform nicht angegeben oder nicht eindeutig feststellbar ist.

F50.1 – Atypische Anorexia nervosa

Bei einer atypischen Anorexie bestehen deutliche anorexietypische Gedanken und Verhaltensweisen, aber nicht alle klassischen Merkmale sind erfüllt.

Beispielsweise kann ein erheblicher, selbst herbeigeführter Gewichtsverlust bestehen, obwohl das Körpergewicht noch nicht unterhalb der festgelegten Gewichtsgrenze liegt. Auch einzelne Merkmale wie eine deutlich erkennbare Angst vor dem Dickwerden können fehlen.

Eine atypische Anorexie kann ebenso belastend und gesundheitlich gefährlich sein wie die klassische Form. Der Begriff „atypisch“ bedeutet nicht, dass die Erkrankung harmlos ist.

Körperliche Veränderungen

Die Unterernährung kann hormonelle und stoffwechselbedingte Veränderungen verursachen. Mögliche Folgen sind:

  • verlangsamter Herzschlag
  • niedriger Blutdruck
  • Herzrhythmusstörungen
  • Hormonstörungen
  • Ausbleiben der Monatsblutung
  • Potenz- und Fruchtbarkeitsstörungen
  • verzögerte Pubertät und verlangsamtes Wachstum
  • Muskelschwund und Osteoporose

Die ICD-Einordnung allein ersetzt keine fachliche Diagnose. Diese berücksichtigt zusätzlich das Essverhalten, den Gewichtsverlauf, die Körperwahrnehmung sowie psychische und körperliche Untersuchungsergebnisse.

Zusatzkennzeichen auf ärztlichen Dokumenten

In der ambulanten Versorgung kann der ICD-Code durch ein Zusatzzeichen ergänzt werden:

  • G: gesicherte Diagnose
  • V: Verdachtsdiagnose
  • A: ausgeschlossene Diagnose
  • Z: Zustand nach der Erkrankung

Beispielsweise bezeichnet F50.00 G eine gesicherte Anorexia nervosa vom restriktiven Typ.

Quellen:

Diagnoseverfahren bei Anorexie

Die Diagnose einer Anorexie wird durch ärztliches oder psychotherapeutisches Fachpersonal gestellt. Es gibt keinen einzelnen Bluttest, der die Erkrankung sicher nachweist. Die Diagnose setzt sich aus einem ausführlichen Gespräch, der Beurteilung des Gewichtsverlaufs, einer körperlichen Untersuchung und der Abklärung anderer Erkrankungen zusammen.

1. Erstgespräch und Krankengeschichte

Zu Beginn wird die persönliche Krankengeschichte erhoben. Das Gespräch sollte vertraulich und ohne Vorwürfe stattfinden. Dabei können folgende Themen angesprochen werden:

  • aktuelles Essverhalten und ausgelassene Mahlzeiten
  • vermiedene oder verbotene Lebensmittel
  • Beginn und Verlauf der Gewichtsabnahme
  • häufiges Wiegen oder Kontrollieren des Körpers
  • Angst vor einer Gewichtszunahme
  • Wahrnehmung des eigenen Körpers
  • Bedeutung von Gewicht und Figur für das Selbstwertgefühl
  • Fasten oder übermäßige körperliche Bewegung
  • Essanfälle und selbst herbeigeführtes Erbrechen
  • Einnahme von Abführmitteln, Appetitzüglern oder entwässernden Medikamenten
  • Monatsblutung, Pubertätsentwicklung und Sexualfunktion
  • psychische Belastungen und familiäre Vorgeschichte

Bei Kindern und Jugendlichen werden die Eltern oder andere Sorgeberechtigte häufig einbezogen. Ein Teil des Gesprächs kann dennoch allein mit der betroffenen Person stattfinden.

2. Überprüfung der Diagnosemerkmale

Für eine Anorexia nervosa sprechen insbesondere:

  • deutlich zu niedriges Körpergewicht oder erheblicher Gewichtsverlust
  • absichtlich eingeschränkte Nahrungsaufnahme
  • Verhalten, das eine Gewichtszunahme verhindert
  • intensive Angst vor dem Zunehmen
  • übermäßige Bedeutung von Figur und Gewicht
  • verzerrte oder stark negative Körperwahrnehmung
  • fehlende Wahrnehmung der gesundheitlichen Gefährdung

Nicht jede betroffene Person beschreibt ausdrücklich eine Angst vor dem Zunehmen. Auch ein dauerhaftes Verhalten, das eine Gewichtszunahme verhindert, kann ein wichtiges Merkmal sein.

3. Erfassung von Größe und Gewicht

Körpergröße und Gewicht werden gemessen und daraus kann bei Erwachsenen der Body-Mass-Index berechnet werden. Zusätzlich wird betrachtet, wie schnell und wie stark sich das Gewicht verändert hat.

Bei Kindern und Jugendlichen reicht der BMI allein nicht aus. Hier werden außerdem berücksichtigt:

  • bisherige Wachstumskurve
  • alters- und geschlechtsbezogene Vergleichswerte
  • körperliche Entwicklung
  • Pubertätsstadium
  • Veränderungen von Größe und Gewicht im Zeitverlauf

Ein einzelner BMI-Wert darf nicht allein über die Diagnose oder den Schweregrad entscheiden. Auch bei einem Gewicht im Normalbereich kann ein schneller oder erheblicher Gewichtsverlust medizinisch gefährlich sein.

4. Körperliche Untersuchung

Die körperliche Untersuchung dient dazu, Folgen der Mangelernährung und mögliche akute Gefahren zu erkennen. Untersucht werden können:

  • Blutdruck und Puls
  • Körpertemperatur
  • Kreislauf im Liegen und Stehen
  • Flüssigkeitsversorgung
  • Herz und Atmung
  • Haut, Haare und Nägel
  • Muskulatur und körperliche Kraft
  • Bauch und Verdauungssystem
  • Mund, Zähne und Speicheldrüsen
  • körperliche und pubertäre Entwicklung

Mögliche Warnzeichen sind ein sehr langsamer Herzschlag, niedriger Blutdruck, Untertemperatur, starke Schwäche, Austrocknung oder Kreislaufprobleme.

5. Laboruntersuchungen

Blut- und gegebenenfalls Urinuntersuchungen helfen dabei, körperliche Folgen oder andere Ursachen des Gewichtsverlusts festzustellen. Kontrolliert werden können:

  • Blutbild
  • Blutzucker
  • Natrium, Kalium und andere Elektrolyte
  • Magnesium und Phosphat
  • Nieren- und Leberwerte
  • Säure-Basen-Haushalt
  • Schilddrüsenwerte
  • Entzündungswerte
  • gegebenenfalls Hormon- und Vitaminwerte

Normale Laborwerte schließen eine schwere Anorexie nicht aus. Betroffene können trotz unauffälliger Blutwerte körperlich gefährdet sein.

6. Untersuchung des Herzens

Ein Elektrokardiogramm kann notwendig sein, insbesondere bei:

  • starkem oder schnellem Gewichtsverlust
  • sehr langsamem Puls
  • niedrigem Blutdruck
  • Ohnmacht oder Herzklopfen
  • häufigem Erbrechen
  • Abführmittel- oder Medikamentenmissbrauch
  • auffälligen Elektrolytwerten
  • übermäßiger körperlicher Bewegung

Mit dem EKG können unter anderem Herzrhythmusstörungen und Veränderungen der elektrischen Herzaktivität erkannt werden.

7. Untersuchung der Knochengesundheit

Bei länger bestehendem Untergewicht kann die Knochendichte abnehmen. Deshalb kann bei einer längeren Erkrankungsdauer, Knochenschmerzen oder wiederholten Knochenbrüchen eine Knochendichtemessung erwogen werden.

Bei Kindern und Jugendlichen muss das Ergebnis altersgerecht bewertet werden, da sich die Knochen noch entwickeln.

8. Psychologische Untersuchung

Zusätzlich werden psychische Beschwerden und mögliche Begleiterkrankungen erfasst:

  • Depressionen
  • Angststörungen
  • Zwangsgedanken und Zwangshandlungen
  • Selbstverletzungen
  • Suizidgedanken
  • traumatische Erfahrungen
  • Alkohol- oder Substanzkonsum
  • Schwierigkeiten in Schule, Beruf oder Beziehungen

Standardisierte Fragebögen und strukturierte Interviews können die Untersuchung unterstützen. Ein Selbsttest oder Fragebogen allein reicht jedoch nicht für eine Diagnose aus.

9. Abgrenzung zu anderen Erkrankungen

Es muss geprüft werden, ob körperliche oder psychische Erkrankungen den Gewichtsverlust besser erklären. Dazu gehören beispielsweise:

  • Schilddrüsenüberfunktion
  • Diabetes mellitus
  • Magen-Darm-Erkrankungen
  • chronische Entzündungen oder Infektionen
  • Nieren- und Lebererkrankungen
  • Tumorerkrankungen
  • Depressionen mit Appetitverlust
  • vermeidend-restriktive Ernährungsstörung
  • Bulimie und andere Essstörungen
  • Medikamenten- oder Substanzwirkungen

Bei einer atypischen Anorexie können anorexietypische Gedanken, Verhaltensweisen und ein erheblicher Gewichtsverlust bestehen, obwohl das Gewicht nicht unterhalb des Normalbereichs liegt.

10. Einschätzung des gesundheitlichen Risikos

Neben der Diagnose wird beurteilt, wie dringend medizinische Hilfe notwendig ist. Dabei werden nicht nur Gewicht und BMI betrachtet, sondern unter anderem:

  • Geschwindigkeit des Gewichtsverlusts
  • Kreislauf und Herzfunktion
  • Flüssigkeits- und Elektrolythaushalt
  • Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme
  • Erbrechen oder Medikamentenmissbrauch
  • körperliche Begleiterkrankungen
  • Suizid- oder Selbstverletzungsrisiko
  • Alter und Entwicklungsstand

Bei Ohnmacht, Brustschmerzen, auffälligem Herzschlag, starker Schwäche, Verwirrtheit, schwerer Austrocknung oder akuter Selbstgefährdung ist sofortige medizinische Hilfe erforderlich.

Wer stellt die Diagnose?

Eine erste Anlaufstelle kann eine Haus- oder Kinderarztpraxis sein. Die Diagnose und weitere Beurteilung können außerdem durch Fachärztinnen und Fachärzte für Psychiatrie, Psychosomatik oder Kinder- und Jugendpsychiatrie sowie durch Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten erfolgen.

Die psychische Diagnose kann psychotherapeutisch gestellt werden. Körperliche Ursachen und gesundheitliche Folgen müssen jedoch ärztlich untersucht werden.

Quellen:

Behandlungsverfahren bei Anorexie

Die Behandlung einer Anorexie besteht aus mehreren Bausteinen. Dazu gehören die körperliche Stabilisierung, die Normalisierung von Ernährung und Gewicht, Psychotherapie sowie die Behandlung möglicher Begleiterkrankungen. Ärztliche, psychotherapeutische und ernährungstherapeutische Fachkräfte arbeiten dabei möglichst eng zusammen.

Ziele der Behandlung

Die wichtigsten Ziele sind:

  • akute körperliche Gefahren abzuwenden,
  • Mangelernährung und Untergewicht zu behandeln,
  • eine regelmäßige und ausreichende Nahrungsaufnahme aufzubauen,
  • anorexietypische Gedanken und Verhaltensweisen zu verändern,
  • die Angst vor einer Gewichtszunahme zu verringern,
  • Selbstwert und Körperwahrnehmung zu verbessern,
  • die soziale, schulische oder berufliche Teilhabe wiederherzustellen,
  • psychische Begleiterkrankungen zu berücksichtigen und
  • Rückfällen vorzubeugen.

1. Körperliche Stabilisierung

Bei starkem Untergewicht können Herz, Kreislauf, Nieren und andere Organe gefährdet sein. Deshalb wird die körperliche Gesundheit regelmäßig kontrolliert.

Zur medizinischen Begleitung gehören je nach Zustand:

  • Gewichtskontrollen
  • Blutdruck- und Pulsmessungen
  • Kontrolle der Körpertemperatur
  • Blutuntersuchungen
  • Überprüfung des Flüssigkeits- und Elektrolythaushalts
  • Elektrokardiogramm
  • Kontrolle von Nieren-, Leber- und Hormonwerten
  • Untersuchung der Knochengesundheit
  • Behandlung körperlicher Folgeschäden

Bei schweren Kreislaufproblemen, Herzrhythmusstörungen, Austrocknung, ausgeprägten Elektrolytstörungen oder Organproblemen ist eine sofortige medizinische Behandlung erforderlich.

2. Ernährungstherapie und Gewichtswiederherstellung

Eine ausreichende Energie- und Nährstoffversorgung ist ein zentraler Bestandteil der Behandlung. Gemeinsam mit dem Behandlungsteam wird ein individueller Ernährungsplan erstellt.

Die Ernährungstherapie umfasst häufig:

  • regelmäßige Mahlzeiten und Zwischenmahlzeiten,
  • schrittweise Erweiterung der Lebensmittelauswahl,
  • angemessene Portionsgrößen,
  • Abbau starrer Essensregeln und Rituale,
  • begleitetes Essen,
  • Ernährungsschulung und
  • erneutes Wahrnehmen von Hunger und Sättigung.

Die Gewichtszunahme ist notwendig, um körperliche Funktionen zu normalisieren und psychotherapeutische Veränderungen zu ermöglichen. Sie erfolgt kontrolliert und unter medizinischer Beobachtung.

Refeeding-Syndrom

Nach längerer schwerer Mangelernährung kann eine zu rasche Veränderung der Nährstoffzufuhr gefährliche Verschiebungen im Flüssigkeits- und Mineralstoffhaushalt auslösen. Dies wird als Refeeding-Syndrom bezeichnet.

Bei einem erhöhten Risiko werden insbesondere Phosphat, Kalium, Magnesium, Blutzucker, Herzfunktion und Flüssigkeitshaushalt überwacht. Der Ernährungsaufbau sollte deshalb bei starkem Untergewicht fachlich begleitet werden.

3. Psychotherapie bei Erwachsenen

Psychotherapie ist ein zentraler Bestandteil der Behandlung. Sie hilft, das Essverhalten und die damit verbundenen Gedanken, Gefühle und Konflikte zu verändern.

Mögliche Verfahren sind:

Kognitive Verhaltenstherapie für Essstörungen:
Dabei werden anorexietypische Denk- und Verhaltensmuster untersucht. Betroffene lernen, starre Essensregeln, Gewichtsängste, Körperkontrollen und übermäßige Bewegung schrittweise zu verändern.

MANTRA:
Die Maudsley-Modell-Therapie für Erwachsene mit Anorexia nervosa berücksichtigt unter anderem Perfektionismus, starres Denken, Schwierigkeiten im Umgang mit Gefühlen und Reaktionen des sozialen Umfelds.

Fokale psychodynamische Psychotherapie:
Dieses Verfahren beschäftigt sich mit inneren Konflikten, Beziehungserfahrungen, Selbstwert und der Bedeutung der Essstörung im persönlichen Leben.

Spezialisierte unterstützende klinische Behandlung:
Hier werden psychotherapeutische Unterstützung, Ernährungswissen, körperliche Überwachung und praktische Schritte zur Normalisierung des Essverhaltens miteinander verbunden.

Die Entscheidung für ein Verfahren richtet sich unter anderem nach Alter, Erkrankungsschwere, persönlichen Bedürfnissen und verfügbaren Angeboten.

4. Behandlung von Kindern und Jugendlichen

Bei Kindern und Jugendlichen ist eine familienbasierte Behandlung besonders wichtig. Eltern oder andere Bezugspersonen werden einbezogen, ohne ihnen die Schuld an der Erkrankung zu geben.

Die Familie unterstützt zunächst dabei:

  • eine ausreichende Nahrungsaufnahme sicherzustellen,
  • Mahlzeiten zu strukturieren,
  • anorexietypischem Verhalten entgegenzuwirken,
  • Konflikte rund um das Essen zu reduzieren und
  • altersgerechte Selbstständigkeit schrittweise zurückzugeben.

Zusätzlich werden die persönliche Entwicklung, Schule, Freundschaften und familiäre Beziehungen berücksichtigt. Körperwachstum und Pubertätsentwicklung werden ärztlich überwacht.

5. Behandlung übermäßiger Bewegung

Viele Betroffene treiben trotz Untergewicht oder körperlicher Schwäche sehr viel Sport. Übermäßige Bewegung kann die Gewichtszunahme verhindern und Herz, Kreislauf sowie Knochen zusätzlich belasten.

Zunächst kann eine Einschränkung oder Pause notwendig sein. Später kann Bewegung unter fachlicher Begleitung schrittweise wieder aufgenommen werden. Dabei soll ein gesundes Verhältnis zu Bewegung entstehen, das nicht der Gewichtsregulation dient.

6. Behandlung psychischer Begleiterkrankungen

Anorexie tritt häufig gemeinsam mit anderen psychischen Problemen auf, beispielsweise:

  • Depressionen,
  • Angststörungen,
  • Zwangssymptomen,
  • Selbstverletzungen,
  • traumabezogenen Beschwerden oder
  • Suizidgedanken.

Diese Beschwerden werden in den Gesamtbehandlungsplan einbezogen. Manche psychischen Symptome können sich bereits bessern, wenn Ernährung und Gewicht stabilisiert werden.

7. Medikamentöse Behandlung

Es gibt kein Medikament, das Anorexie allein zuverlässig behandelt oder die notwendige Psychotherapie und Ernährungstherapie ersetzt.

Medikamente können in bestimmten Fällen eingesetzt werden, etwa bei gleichzeitig bestehenden Depressionen, Angststörungen oder ausgeprägten Zwangssymptomen. Bei starkem Untergewicht können Wirkung und Nebenwirkungen verändert sein. Deshalb ist eine sorgfältige ärztliche Kontrolle notwendig.

Nahrungsergänzungsmittel werden nur gezielt bei einem festgestellten oder wahrscheinlichen Mangel eingesetzt. Sie ersetzen keine ausreichende Ernährung.

8. Ambulante Behandlung

Eine ambulante Behandlung ist möglich, wenn der körperliche Zustand stabil ist und die notwendige Unterstützung im Alltag gewährleistet werden kann.

Sie umfasst normalerweise:

  • regelmäßige Psychotherapie,
  • ärztliche Kontrollen,
  • Ernährungstherapie,
  • vereinbarte Gewichts- und Gesundheitsziele sowie
  • Unterstützung durch Angehörige oder andere Bezugspersonen.

Wenn keine ausreichenden Fortschritte erzielt werden oder sich der Zustand verschlechtert, muss eine intensivere Behandlung geprüft werden.

9. Tagesklinische Behandlung

In einer Tagesklinik verbringen Betroffene den Tag in der Einrichtung und kehren abends nach Hause zurück. Dort erhalten sie strukturierte Mahlzeiten, Psychotherapie, medizinische Betreuung und ergänzende Angebote.

Die Tagesklinik ermöglicht eine intensive Behandlung, während ein Teil des gewohnten Alltags erhalten bleibt.

10. Stationäre Behandlung

Eine vollstationäre Behandlung kann notwendig sein bei:

  • sehr niedrigem oder schnell sinkendem Gewicht,
  • schwerer Mangelernährung,
  • auffälligem Puls, Blutdruck oder EKG,
  • Elektrolytstörungen oder Austrocknung,
  • Verweigerung notwendiger Nahrung oder Flüssigkeit,
  • schweren psychischen Begleiterkrankungen,
  • akuter Selbst- oder Suizidgefährdung,
  • erfolgloser ambulanter Behandlung oder
  • fehlender ausreichender Unterstützung im häuslichen Umfeld.

Die Entscheidung darf nicht nur von einem bestimmten BMI-Wert abhängig gemacht werden. Gewichtsverlauf, körperliche Befunde, psychische Gefährdung und persönliche Lebensumstände müssen gemeinsam betrachtet werden.

11. Künstliche Ernährung und Zwangsbehandlung

Wenn eine Person aufgrund schwerer Anorexie nicht ausreichend essen kann und eine unmittelbare Lebensgefahr besteht, kann zeitweise eine Ernährung über eine Sonde notwendig werden. Sie erfolgt unter enger medizinischer Kontrolle.

Eine Behandlung gegen den Willen der betroffenen Person kommt nur in seltenen, akut lebensbedrohlichen Situationen infrage. Dafür gelten strenge medizinische und rechtliche Voraussetzungen. Eine stationäre Unterbringung bedeutet nicht automatisch, dass eine Zwangsbehandlung zulässig ist.

12. Ergänzende Verfahren

Zusätzlich können folgende Angebote hilfreich sein:

  • Körper- und Bewegungstherapie,
  • Kunst- oder Musiktherapie,
  • Ergotherapie,
  • Soziotherapie,
  • Unterstützung in Schule, Ausbildung oder Beruf und
  • Selbsthilfegruppen.

Diese Verfahren können die Hauptbehandlung ergänzen, ersetzen aber weder Psychotherapie noch medizinische und ernährungsbezogene Maßnahmen.

13. Nachsorge und Rückfallvorbeugung

Nach einer ambulanten oder stationären Behandlung ist eine längerfristige Nachsorge wichtig. Körper und Psyche benötigen häufig unterschiedlich viel Zeit zur Erholung.

Zur Rückfallvorbeugung werden persönliche Warnzeichen festgehalten, beispielsweise:

  • erneutes Auslassen von Mahlzeiten,
  • häufigeres Wiegen,
  • zunehmende Angst vor Lebensmitteln,
  • verstärkte Körperkontrollen,
  • übermäßige Bewegung oder
  • sozialer Rückzug.

Regelmäßige ärztliche und psychotherapeutische Termine können helfen, Rückfälle frühzeitig zu erkennen. Ein Rückfall bedeutet nicht, dass die bisherige Behandlung gescheitert ist.

Quellen: