Erfahren Sie alles über Anorexie, ihre Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten.
Diese Seite vermittelt fundiertes Wissen über Anorexie, erklärt Symptome, Risikofaktoren und bietet hilfreiche Unterstützung für Betroffene und Angehörige.

Anorexie (Magersucht) erklärt
Anorexie, auch Anorexia nervosa oder Magersucht, ist eine schwere psychische Essstörung. Betroffene haben große Angst davor, zuzunehmen, und schränken ihre Nahrungsaufnahme stark ein. Sie nehmen ihren Körper oft verzerrt wahr und empfinden sich trotz Untergewicht als „zu dick“. Anorexie kann lebensbedrohlich sein und sollte frühzeitig behandelt werden.
Symptome
- Starkes Untergewicht oder erheblicher Gewichtsverlust
- Ausgeprägte Angst vor Gewichtszunahme
- Verzerrte Wahrnehmung des eigenen Körpers
- Strenge Diäten oder Auslassen von Mahlzeiten
- Übermäßiger Sport
- Müdigkeit, Konzentrationsprobleme und Frieren
- Hormonstörungen (z. B. Ausbleiben der Menstruation)
Ursachen
Die Entstehung einer Anorexie ist meist auf mehrere Faktoren zurückzuführen:
- Genetische Veranlagung
- Psychische Belastungen (z. B. geringes Selbstwertgefühl, Angst oder Depressionen)
- Familiäre Einflüsse
- Gesellschaftliche Schönheitsideale und sozialer Druck
Folgen
Unbehandelt kann Anorexie zu schweren gesundheitlichen Problemen führen:
- Mangelernährung
- Herz-Kreislauf-Probleme
- Knochenschwund (Osteoporose)
- Hormonstörungen
- Organschäden
- Erhöhtes Sterberisiko
Behandlung
Die Behandlung besteht meist aus:
- Psychotherapie (vor allem kognitive Verhaltenstherapie)
- Ernährungsberatung und Gewichtsstabilisierung
- Ärztlicher Überwachung
- Bei schweren Verläufen stationärer Behandlung im Krankenhaus oder einer Spezialklinik
Quellen:
Statistik über Anorexie (Magersucht)
Häufigkeit
- Schätzungsweise 0,3–1 % der Bevölkerung in Deutschland erkrankt im Laufe des Lebens an Anorexia nervosa (Magersucht).
- Besonders häufig tritt die Erkrankung bei Mädchen und jungen Frauen zwischen 15 und 19 Jahren auf.
Krankenhausbehandlungen
Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes (Destatis) wurden im Jahr 2023:
- rund 12.100 Personen wegen einer Essstörung stationär im Krankenhaus behandelt.
- Davon hatten 76 % (ca. 9.200 Personen) die Diagnose Anorexia nervosa (Magersucht).
- 93,3 % der stationär behandelten Patientinnen und Patienten waren Frauen.
- Die Zahl der 10- bis 17-jährigen Mädchen, die wegen Essstörungen stationär behandelt wurden, hat sich von 3.000 Fällen im Jahr 2003 auf 6.000 Fälle im Jahr 2023 verdoppelt.
Geschlechterverteilung
- Mädchen und Frauen sind deutlich häufiger betroffen als Jungen und Männer.
- Etwa 90–95 % der diagnostizierten Fälle betreffen weibliche Personen.
Quellen:
Anorexie im ICD-10
In der ICD-10-GM Version 2026, der in Deutschland verwendeten Krankheitsklassifikation, gehört Anorexia nervosa zu den Essstörungen (F50.-) im Kapitel „Psychische und Verhaltensstörungen“.
ICD-10-Codes
| ICD-10-GM-Code | Bezeichnung |
| F50.00 | Anorexia nervosa, restriktiver Typ |
| F50.01 | Anorexia nervosa, aktiver Typ |
| F50.08 | Sonstige und nicht näher bezeichnete Anorexia nervosa |
| F50.1 | Atypische Anorexia nervosa |
Beim restriktiven Typ (F50.00) wird das Gewicht hauptsächlich durch eingeschränkte Nahrungsaufnahme gehalten oder reduziert. Beim aktiven Typ (F50.01) kommen gewichtsreduzierende Maßnahmen hinzu, beispielsweise selbst herbeigeführtes Erbrechen, Abführmittel oder andere kompensatorische Verhaltensweisen.
Die atypische Anorexia nervosa (F50.1) wird kodiert, wenn einige typische Merkmale vorhanden sind, das vollständige Krankheitsbild jedoch nicht erfüllt ist.
Definition nach ICD-10
Anorexia nervosa ist durch einen absichtlich herbeigeführten oder aufrechterhaltenen Gewichtsverlust gekennzeichnet. Typisch sind eine starke Angst vor Gewichtszunahme, eine übermäßige Beschäftigung mit Körperform und Gewicht sowie eine sehr niedrig festgelegte persönliche Gewichtsgrenze. Die daraus entstehende Unterernährung kann hormonelle, metabolische und körperliche Funktionsstörungen verursachen.
Wichtige Abgrenzung
Der Code R63.0 „Anorexie“ bedeutet lediglich Appetitverlust und ist nicht mit der psychischen Essstörung Anorexia nervosa gleichzusetzen. Anorexia nervosa wird unter F50.0- kodiert.
Quellen:
Diagnoseverfahren bei Anorexie (Magersucht)
Die Diagnose einer Anorexia nervosa wird von Ärztinnen und Ärzten oder Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten anhand eines ausführlichen Gesprächs, einer körperlichen Untersuchung und standardisierter Diagnosekriterien (ICD-10 bzw. ICD-11) gestellt.
1. Anamnese (ärztliches Gespräch)
Zu Beginn werden unter anderem folgende Punkte erfragt:
- Essverhalten und Gewichtsverlauf
- Angst vor Gewichtszunahme
- Körperbild und Selbstwahrnehmung
- Bewegungs- und Sportverhalten
- Erbrechen, Abführmittel oder andere Maßnahmen zur Gewichtsabnahme
- Psychische Belastungen sowie familiäre Vorgeschichte.
2. Körperliche Untersuchung
Zur körperlichen Diagnostik gehören:
- Messung von Körpergröße, Gewicht und Body-Mass-Index (BMI)
- Blutdruck und Puls
- Körpertemperatur
- Untersuchung auf Zeichen der Mangelernährung (z. B. trockene Haut, Haarausfall, niedriger Blutdruck).
3. Laboruntersuchungen
Blutuntersuchungen dienen dazu, Mangelzustände und körperliche Folgen der Erkrankung festzustellen, z. B.:
- Elektrolyte (Kalium, Natrium)
- Blutbild
- Leber- und Nierenwerte
- Schilddrüsenwerte
- Hormonstatus bei Bedarf.
4. Psychologische Diagnostik
Zusätzlich werden psychische Symptome beurteilt. Dabei werden häufig standardisierte Fragebögen oder strukturierte Interviews eingesetzt, um Essverhalten, Körperschema und Begleiterkrankungen wie Depressionen oder Angststörungen zu erfassen.
5. Diagnose nach ICD-10
Für die Diagnose müssen die Kriterien der ICD-10 erfüllt sein. Dazu gehören:
- deutliches Untergewicht,
- absichtlich herbeigeführter Gewichtsverlust,
- starke Angst vor Gewichtszunahme,
- gestörte Körperwahrnehmung und
- häufig hormonelle Veränderungen als Folge der Unterernährung.
Quellen:
- Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF): S3-Leitlinie Diagnostik und Therapie der Essstörungen.
- Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM): ICD-10-GM – F50.0 Anorexia nervosa.
- Bundesministerium für Gesundheit / gesund.bund.de: ICD-Code F50.00 – Anorexia nervosa.
Behandlungsverfahren bei Anorexie (Magersucht)
Die Behandlung der Anorexia nervosa erfolgt in der Regel multidisziplinär. Das bedeutet, dass Ärztinnen und Ärzte, Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten sowie Ernährungsfachkräfte zusammenarbeiten. Ziel ist es, das Körpergewicht zu normalisieren, körperliche Folgeschäden zu behandeln und die psychischen Ursachen der Erkrankung zu bewältigen.
1. Psychotherapie
Die Psychotherapie ist die wichtigste Behandlungsmaßnahme. Je nach Alter und individueller Situation kommen verschiedene Verfahren zum Einsatz:
- Kognitive Verhaltenstherapie (KVT)
- Familientherapie (vor allem bei Kindern und Jugendlichen)
- Fokale psychodynamische Psychotherapie
- Unterstützende psychotherapeutische Verfahren
Ziel ist es, das Essverhalten zu normalisieren, den Umgang mit Ängsten zu verbessern und das gestörte Körperbild zu verändern.
2. Ernährungstherapie
Eine Ernährungsberatung hilft dabei,
- schrittweise ein gesundes Körpergewicht zu erreichen,
- regelmäßige Mahlzeiten aufzubauen,
- Mangelernährung auszugleichen und
- ein gesundes Essverhalten zu entwickeln.
3. Medizinische Behandlung
Regelmäßige ärztliche Kontrollen sind notwendig, um:
- Gewicht und BMI zu überwachen,
- Blutwerte und Elektrolyte zu kontrollieren,
- Herz-Kreislauf-Komplikationen zu erkennen und
- körperliche Folgen der Unterernährung zu behandeln.
4. Stationäre Behandlung
Ein Krankenhaus- oder Klinikaufenthalt wird empfohlen, wenn:
- starkes Untergewicht besteht,
- lebensbedrohliche körperliche Komplikationen auftreten,
- eine ambulante Behandlung nicht ausreicht oder
- akute psychische Krisen vorliegen.
Während der stationären Behandlung werden medizinische Versorgung, Ernährungstherapie und Psychotherapie miteinander kombiniert.
5. Medikamente
Für die Behandlung der Anorexia nervosa gibt es kein Medikament, das die Erkrankung selbst heilt. Medikamente können jedoch eingesetzt werden, wenn zusätzlich andere psychische Erkrankungen wie Depressionen oder Angststörungen vorliegen.
Quellen:
