Entdecken Sie Wege zur Überwindung von Verhaltenssüchten und gewinnen Sie neue Lebensqualität.
Hier erhalten Sie fundierte Einblicke in Ursachen, Erkennung und wirksame Strategien gegen Verhaltenssüchte.
Verhaltenssüchte erklärt
Verhaltenssüchte (auch stoffungebundene Abhängigkeiten genannt) sind Suchterkrankungen, bei denen Menschen nicht von einer Substanz, sondern von einem bestimmten Verhalten abhängig werden. Dazu gehören beispielsweise Glücksspielsucht, Computerspiel- oder Internetabhängigkeit, Kaufsucht und Sexsucht. Obwohl keine Droge konsumiert wird, können Verhaltenssüchte ähnliche Auswirkungen auf das Gehirn haben wie stoffgebundene Abhängigkeiten. Betroffene verspüren ein starkes Verlangen nach dem Verhalten und verlieren zunehmend die Kontrolle darüber.
Quelle: Bundesministerium für Gesundheit (BMG): Sucht und Drogen.
Merkmale einer Verhaltenssucht
Typische Anzeichen einer Verhaltenssucht sind:
- starkes Verlangen nach dem Verhalten (Craving),
- Kontrollverlust über Dauer oder Häufigkeit,
- Vernachlässigung von Familie, Schule, Beruf oder Hobbys,
- Fortsetzung des Verhaltens trotz negativer Folgen,
- Unruhe oder Gereiztheit, wenn das Verhalten nicht ausgeführt werden kann.
Diese Merkmale ähneln denen einer stoffgebundenen Abhängigkeit.
Quelle: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA, heute Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit – BIÖG): Verhaltenssüchte.
Wie entstehen Verhaltenssüchte?
Die Entstehung einer Verhaltenssucht wird durch verschiedene Faktoren beeinflusst. Dazu gehören:
- genetische Veranlagung,
- psychische Belastungen (z. B. Stress oder Depressionen),
- soziale Einflüsse,
- die belohnende Wirkung des Verhaltens auf das Gehirn.
Mit der Zeit wird das Verhalten immer häufiger ausgeführt, um positive Gefühle zu erleben oder negative Gefühle zu vermeiden. Dadurch kann eine Abhängigkeit entstehen.
Quelle: Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS): Sucht und Abhängigkeit.
Folgen einer Verhaltenssucht
Eine Verhaltenssucht kann erhebliche Auswirkungen auf das Leben der Betroffenen haben. Häufige Folgen sind:
- finanzielle Probleme (z. B. durch Glücksspielsucht oder Kaufsucht),
- Konflikte in Familie und Partnerschaft,
- Leistungsabfall in Schule oder Beruf,
- sozialer Rückzug,
- psychische Erkrankungen wie Depressionen oder Angststörungen.
Quelle: Bundesministerium für Gesundheit (BMG): Glücksspielsucht.
Statistik zu Verhaltenssüchten in Deutschland
| Verhaltenssucht | Aktuelle Zahlen (Deutschland) |
| Glücksspielsucht | ca. 1,23 Millionen Erwachsene (2,2 % der 18- bis 70-Jährigen) erfüllen die Kriterien einer Glücksspielstörung. Quelle: DHS |
| Riskantes Glücksspielverhalten | ca. 3,1 Millionen Erwachsene zeigen ein problematisches bzw. riskantes Spielverhalten. Quelle: bundesdrogenbeauftragter.de/gluecksspiel |
| Internetbezogene Störungen (z. B. soziale Medien, Streaming) | Rund 4,7 % der 18- bis 64-Jährigen zeigen eine problematische Internetnutzung. Quelle: BMG |
| Computerspielstörung (Gaming Disorder) | Etwa 3–4 % der Jugendlichen und jungen Erwachsenen weisen Anzeichen einer Computerspielstörung auf. Quelle: BMG |
Verhaltenssüchte nach ICD-10
Verhaltenssüchte sind stoffungebundene Abhängigkeiten, bei denen keine Substanz (wie Alkohol oder Drogen), sondern ein bestimmtes Verhalten abhängig macht. In der ICD-10 sind jedoch nur wenige Verhaltenssüchte eindeutig als psychische Störungen erfasst. Besonders bekannt ist das pathologische Glücksspiel. Andere Verhaltenssüchte wie Internet- oder Kaufsucht sind in der ICD-10 nicht eindeutig als eigene Diagnose aufgeführt.
Quelle: Der Beauftragte der Bundesregierung für Sucht- und Drogenfragen
ICD-10-Codes für Verhaltenssüchte
| ICD-10-Code | Bezeichnung | Erklärung |
| F63.0 | Pathologisches Spielen (Glücksspielsucht) | Wiederholtes Glücksspiel, das die Lebensführung beherrscht und zu Problemen im sozialen, beruflichen oder finanziellen Bereich führt. Quelle: Gesund.Bund |
| F63.8 | Sonstige abnorme Gewohnheiten und Störungen der Impulskontrolle | Kann für bestimmte andere problematische Verhaltensweisen verwendet werden, die nicht genauer eingeordnet sind. Quelle: BfArM |
| F63.9 | Abnorme Gewohnheit und Störung der Impulskontrolle, nicht näher bezeichnet | Wenn eine Störung der Impulskontrolle vorliegt, aber keine genauere Zuordnung möglich ist. Quelle: BfArM |
Pathologisches Glücksspiel (F63.0)
Das pathologische Spielen (F63.0) ist die wichtigste in der ICD-10 anerkannte Verhaltenssucht. Kennzeichen sind:
- ein starker, wiederkehrender Drang zu spielen,
- fehlende Kontrolle über Häufigkeit und Dauer des Spielens,
- Vernachlässigung anderer Lebensbereiche,
- Weiterspielen trotz negativer Folgen (z. B. Schulden oder Konflikte).
Quelle: Gesund.Bund
Internet- und Computerspielsucht
In der ICD-10 gibt es keinen eigenen Diagnosecode für eine Internet- oder Computerspielstörung. Diese Problematik wurde erst mit der ICD-11 als „Gaming Disorder“ offiziell aufgenommen. In der ICD-10 wurden solche Fälle je nach Ausprägung teilweise unter andere psychische Störungen oder Störungen der Impulskontrolle eingeordnet.
Quelle: Der Beauftragte der Bundesregierung für Sucht- und Drogenfragen
Verhaltenssüchte – Diagnoseverfahren
Bei Verhaltenssüchten (stoffungebundenen Abhängigkeiten) erfolgt die Diagnose nach der ICD-10 hauptsächlich über die Untersuchung des Verhaltens, die Krankengeschichte und die Beurteilung der Auswirkungen auf das Leben der betroffenen Person. In der ICD-10 ist vor allem das pathologische Glücksspiel (F63.0) als Verhaltenssucht erfasst. Andere Verhaltenssüchte wie Internet- oder Computerspielsucht waren in der ICD-10 noch nicht als eigene Diagnose festgelegt.
1. Anamnese (ärztliches oder psychotherapeutisches Gespräch)
Zu Beginn führt eine Fachperson ein ausführliches Gespräch durch. Dabei werden folgende Punkte untersucht:
- Art und Häufigkeit des problematischen Verhaltens (z. B. Glücksspiel)
- Dauer und Entwicklung des Verhaltens
- Kontrollverlust über das Verhalten
- Auswirkungen auf Familie, Schule, Beruf und soziale Beziehungen
- finanzielle oder psychische Folgen
- bisherige Versuche, das Verhalten zu reduzieren
Quelle: BfArM
2. Diagnose nach ICD-10-Kriterien (F63.0 Pathologisches Spielen)
Nach der ICD-10 wird pathologisches Glücksspiel (F63.0) diagnostiziert, wenn wiederholtes Glücksspiel die Lebensführung der betroffenen Person beherrscht und zu Problemen im sozialen, beruflichen oder familiären Bereich führt.
Typische Diagnosemerkmale sind:
- starker Drang zu spielen,
- fehlende Kontrolle über Beginn, Dauer oder Geldaufwand,
- häufiges Denken an das Glücksspiel,
- Weiterspielen trotz negativer Folgen,
- Vernachlässigung anderer Lebensbereiche,
- Entstehung von Problemen durch das Spielen (z. B. Schulden oder Konflikte).
Quelle: Gesund.Bund
3. Psychologische Diagnostik
Zusätzlich können psychologische Tests und Fragebögen eingesetzt werden. Diese helfen dabei, das Ausmaß der Verhaltenssucht einzuschätzen und mögliche Begleiterkrankungen zu erkennen, zum Beispiel:
- Depressionen,
- Angststörungen,
- Persönlichkeitsstörungen,
- andere Suchterkrankungen.
Quelle: DHS
4. Untersuchung der Auswirkungen im Alltag
Bei der Diagnose wird geprüft, ob das Verhalten zu einer deutlichen Beeinträchtigung führt, beispielsweise:
- Probleme in der Schule oder im Beruf,
- Konflikte mit Familie und Freunden,
- finanzielle Schwierigkeiten,
- sozialer Rückzug.
Nicht jedes häufige oder intensive Verhalten gilt automatisch als Sucht. Entscheidend sind der Kontrollverlust und die negativen Folgen für das Leben der Person.
Quelle: Gesund.Bund
Verhaltenssüchte – Behandlungsverfahren
Die Behandlung von Verhaltenssüchten (z. B. Glücksspielstörung, Computerspielstörung oder problematische Internetnutzung) erfolgt hauptsächlich durch psychotherapeutische Verfahren. Ziel ist es, das süchtige Verhalten zu kontrollieren, Auslöser zu erkennen, Rückfälle zu verhindern und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern.
Quelle: DGPPN
1. Psychotherapie (besonders Verhaltenstherapie)
Die kognitive Verhaltenstherapie (KVT) ist eine der wichtigsten Behandlungsmethoden bei Verhaltenssüchten. Dabei lernen Betroffene:
- problematische Gedanken und Verhaltensmuster zu erkennen,
- Auslöser für das Suchtverhalten zu verstehen,
- alternative Bewältigungsstrategien zu entwickeln,
- den Umgang mit Stress und negativen Gefühlen zu verbessern,
- Rückfälle zu vermeiden.
Die KVT gilt als eine der am besten untersuchten psychotherapeutischen Methoden bei Verhaltenssüchten.
Quelle: Thieme Connect
2. Motivationsfördernde Therapie
Bei vielen Betroffenen besteht zunächst keine vollständige Bereitschaft, das Verhalten zu verändern. Die motivierende Gesprächsführung unterstützt dabei, die eigene Situation zu reflektieren und eine Veränderung anzustreben.
Ziele:
- Problembewusstsein entwickeln,
- persönliche Gründe für eine Veränderung finden,
- Motivation zur Behandlung stärken.
Quelle: DGPPN
3. Ambulante oder stationäre Therapie
Je nach Schweregrad der Verhaltenssucht kann die Behandlung:
- ambulant (regelmäßige Gespräche bei Therapeutinnen und Therapeuten),
- stationär (Aufenthalt in einer Fachklinik)
erfolgen.
Eine stationäre Behandlung kann besonders sinnvoll sein, wenn:
- die Kontrolle über das Verhalten stark verloren gegangen ist,
- zusätzliche psychische Erkrankungen bestehen,
- ambulante Maßnahmen nicht ausreichen.
Quelle: DHS
4. Behandlung von Begleiterkrankungen
Verhaltenssüchte treten häufig zusammen mit anderen psychischen Problemen auf, beispielsweise:
- Depressionen,
- Angststörungen,
- Stressbelastungen,
- ADHS.
Diese Erkrankungen werden bei der Behandlung mit berücksichtigt, da sie die Sucht verstärken oder durch sie entstehen können.
Quelle: Thieme Connect
5. Selbsthilfegruppen und Unterstützung durch Angehörige
Selbsthilfegruppen bieten Betroffenen:
- Austausch mit anderen Betroffenen,
- Unterstützung im Umgang mit Rückfällen,
- Motivation und soziale Stabilität.
Auch Angehörige können durch Beratung lernen, wie sie Betroffene unterstützen können.
Quelle: DHS
6. Rückfallprävention und Nachsorge
Ein wichtiger Teil der Behandlung ist die langfristige Stabilisierung. Dabei lernen Betroffene:
- Risikosituationen zu erkennen,
- Rückfälle frühzeitig zu vermeiden,
- gesunde Freizeitaktivitäten aufzubauen,
- ein ausgeglichenes Verhältnis zu Medien, Spielen oder anderen Verhaltensweisen zu entwickeln.
Quelle: AWMF
