Erfahren Sie, wie wir Menschen bei stoffgebundenen Abhängigkeiten unterstützen und neue Wege zur Heilung eröffnen.
Diese Seite vermittelt zentrale Informationen zu Ursachen, Folgen und Behandlungsmöglichkeiten von stoffgebundenen Abhängigkeiten und zeigt Wege zur nachhaltigen Unterstützung Betroffener auf.
Stoffgebundene Abhängigkeiten erklärt
Stoffgebundene Abhängigkeiten sind Suchterkrankungen, bei denen Menschen von einer psychoaktiven Substanz abhängig werden. Dazu gehören unter anderem Alkohol, Nikotin, Medikamente (z. B. Beruhigungs- oder Schlafmittel), Cannabis sowie andere illegale Drogen wie Kokain, Heroin oder Amphetamine. Diese Stoffe wirken auf das Gehirn und verändern das Denken, Fühlen oder Verhalten. Bei regelmäßigem Konsum kann sich eine körperliche und/oder psychische Abhängigkeit entwickeln.
Quelle: Bundesministerium für Gesundheit (BMG): Sucht und Drogen.
Typische Merkmale einer stoffgebundenen Abhängigkeit sind:
- starkes Verlangen nach der Substanz (Craving),
- Kontrollverlust über den Konsum,
- Toleranzentwicklung (es werden größere Mengen benötigt),
- Entzugserscheinungen beim Absetzen,
- Vernachlässigung von Schule, Beruf, Familie oder Hobbys,
- weiterer Konsum trotz gesundheitlicher oder sozialer Folgen.
Quelle: Bundesamt für Gesundheit (BAG): Zum Begriff Sucht.
Wie entsteht eine stoffgebundene Abhängigkeit?
Wie entsteht eine stoffgebundene Abhängigkeit?
Die Entstehung einer Abhängigkeit wird durch verschiedene Faktoren beeinflusst. Dazu gehören genetische Veranlagung, psychische Belastungen, Stress, traumatische Erlebnisse und das soziale Umfeld. Je häufiger und länger eine Substanz konsumiert wird, desto größer ist das Risiko, abhängig zu werden.
Quelle: Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS): Basisinformationen Sucht.
Folgen einer stoffgebundenen Abhängigkeit
Eine Abhängigkeit kann schwerwiegende Folgen haben. Sie kann zu körperlichen Erkrankungen (z. B. Lebererkrankungen durch Alkohol oder Lungenerkrankungen durch Rauchen), psychischen Problemen, Konflikten in Familie und Beruf sowie finanziellen Schwierigkeiten führen.
Quelle: Bundesministerium für Gesundheit (BMG): Sucht und Drogen.
Statistik: Stoffgebundene Abhängigkeiten in Deutschland
| Stoffgebundene Abhängigkeit | Anzahl der Betroffenen (ca.) |
| Nikotin-/Tabakabhängigkeit | ca. 16 Millionen Menschen |
| Alkoholabhängigkeit | ca. 2,16 Millionen Menschen |
| Alkoholmissbrauch (schädlicher Konsum) | ca. 1,7 Millionen Menschen |
| Medikamentenabhängigkeit | ca. 1,8 Millionen Menschen |
| Cannabisabhängigkeit | ca. 515.000 Menschen |
| Abhängigkeit von anderen illegalen Drogen (z. B. Kokain, Heroin, Amphetamine) | ca. 300.000–400.000 Menschen |
Quelle: DHS
Stoffgebundene Abhängigkeiten nach ICD-10
Nach der ICD-10 (Internationale Klassifikation der Krankheiten) werden stoffgebundene Abhängigkeiten im Kapitel F10–F19 „Psychische und Verhaltensstörungen durch psychotrope Substanzen“ eingeordnet. Die Diagnose richtet sich nach der konsumierten Substanz und dem klinischen Zustand. Quelle: BfArM
ICD-10-Klassifikation der stoffgebundenen Abhängigkeiten
| ICD-10-Code | Suchterkrankung |
| F10 | Psychische und Verhaltensstörungen durch Alkohol |
| F11 | Psychische und Verhaltensstörungen durch Opioide (z. B. Heroin) |
| F12 | Psychische und Verhaltensstörungen durch Cannabinoide (Cannabis) |
| F13 | Psychische und Verhaltensstörungen durch Sedativa oder Hypnotika (Beruhigungs- und Schlafmittel) |
| F14 | Psychische und Verhaltensstörungen durch Kokain |
| F15 | Psychische und Verhaltensstörungen durch andere Stimulanzien (z. B. Amphetamine, Methamphetamin) |
| F16 | Psychische und Verhaltensstörungen durch Halluzinogene |
| F17 | Psychische und Verhaltensstörungen durch Tabak/Nikotin |
| F18 | Psychische und Verhaltensstörungen durch flüchtige Lösungsmittel |
| F19 | Psychische und Verhaltensstörungen durch multiplen Substanzgebrauch oder andere psychotrope Substanzen |
Quelle: BfArM
Abhängigkeitssyndrom (ICD-10)
Das Abhängigkeitssyndrom wird in der ICD-10 mit der vierten Stelle „.2“ gekennzeichnet (z. B. F10.2 = Alkoholabhängigkeit, F17.2 = Tabakabhängigkeit). Die ICD-10 beschreibt eine Abhängigkeit unter anderem durch:
- starkes Verlangen nach der Substanz (Craving),
- verminderte Kontrolle über den Konsum,
- Entzugserscheinungen,
- Toleranzentwicklung,
- Vernachlässigung anderer Interessen zugunsten des Konsums,
- Fortsetzung des Konsums trotz schädlicher Folgen.
Quelle: BfArM
Stoffgebundene Abhängigkeiten – Diagnoseverfahren
Die Diagnose einer stoffgebundenen Abhängigkeit wird von Ärztinnen und Ärzten oder Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten gestellt. Grundlage sind ein ausführliches Gespräch, die Krankengeschichte sowie die Diagnosekriterien der ICD-10 (Internationale Klassifikation der Krankheiten). Quelle: BfArM
1. Anamnese (ärztliches Gespräch)
Zunächst fragt die Ärztin oder der Arzt nach:
- Art der konsumierten Substanz,
- Häufigkeit und Menge des Konsums,
- Dauer des Konsums,
- körperlichen und psychischen Beschwerden,
- Auswirkungen auf Familie, Schule, Beruf und Alltag.
Quelle: BfArM
2. Diagnose nach ICD-10
Nach der ICD-10 liegt ein Abhängigkeitssyndrom vor, wenn innerhalb der letzten zwölf Monate mindestens drei der folgenden sechs Kriterien gleichzeitig aufgetreten sind:
- starkes Verlangen nach der Substanz (Craving),
- verminderte Kontrolle über Beginn, Menge oder Ende des Konsums,
- körperliche Entzugserscheinungen,
- Toleranzentwicklung (es werden größere Mengen benötigt),
- Vernachlässigung anderer Interessen zugunsten des Konsums,
- Fortsetzung des Konsums trotz nachweislich schädlicher Folgen.
Quelle: AWMF
3. Körperliche Untersuchung
Je nach Substanz werden körperliche Untersuchungen durchgeführt, zum Beispiel:
- Blutuntersuchungen,
- Urinproben oder Drogenscreenings,
- Messung von Blutdruck und Puls,
- Untersuchung von Organen (z. B. Leber bei Alkoholabhängigkeit).
Diese Untersuchungen helfen dabei, den Gesundheitszustand und mögliche Folgeschäden festzustellen. Quelle: AWMF
4. Psychologische Diagnostik
Zusätzlich können standardisierte Fragebögen und psychologische Tests eingesetzt werden. Sie helfen dabei, den Schweregrad der Abhängigkeit zu bestimmen und weitere psychische Erkrankungen wie Depressionen oder Angststörungen zu erkennen. Quelle: AWMF
Stoffgebundene Abhängigkeiten – Behandlungsverfahren
Die Behandlung einer stoffgebundenen Abhängigkeit richtet sich nach der Art der Substanz und dem Schweregrad der Erkrankung. Ziel ist es, den Konsum zu beenden, Rückfälle zu vermeiden und die körperliche sowie psychische Gesundheit zu verbessern.
1. Entgiftung (Entzug)
Zu Beginn der Behandlung erfolgt häufig eine medizinisch überwachte Entgiftung. Dabei wird die Substanz abgesetzt und mögliche Entzugserscheinungen wie Zittern, Unruhe oder Krampfanfälle werden ärztlich behandelt. Je nach Substanz können Medikamente eingesetzt werden, um den Entzug sicherer zu machen.
Quelle: Bundesministerium für Gesundheit (BMG): Sucht und Drogen.
2. Entwöhnungsbehandlung (Rehabilitation)
Nach der Entgiftung folgt häufig eine Entwöhnungsbehandlung. Diese kann ambulant oder stationär stattfinden. Ziel ist es, dauerhaft abstinent zu bleiben und neue Strategien für den Alltag ohne Suchtmittel zu entwickeln.
Quelle: Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS): Behandlung und Rehabilitation.
3. Psychotherapie
Ein wichtiger Bestandteil der Behandlung ist die Psychotherapie, insbesondere die Verhaltenstherapie. Dabei lernen Betroffene:
- Auslöser für den Konsum zu erkennen,
- mit Stress anders umzugehen,
- Rückfälle zu vermeiden,
- neue Verhaltensweisen im Alltag zu entwickeln.
Quelle: Bundesministerium für Gesundheit (BMG): Psychotherapie.
4. Medikamentöse Behandlung
Bei einigen Suchterkrankungen können Medikamente eingesetzt werden. Sie helfen, Entzugsbeschwerden zu lindern, das Verlangen nach der Substanz (Craving) zu verringern oder Rückfälle zu verhindern. Welche Medikamente eingesetzt werden, hängt von der jeweiligen Suchterkrankung ab.
Quelle: AWMF-Leitlinie: Screening, Diagnose und Behandlung alkoholbezogener Störungen.
5. Selbsthilfegruppen und Nachsorge
Nach einer erfolgreichen Therapie unterstützen Selbsthilfegruppen (z. B. Anonyme Alkoholiker) sowie regelmäßige Nachsorgegespräche dabei, langfristig abstinent zu bleiben und Rückfälle frühzeitig zu erkennen.
Quelle: Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS): Selbsthilfe und Nachsorge.
