Schizophrenie

Erfahren Sie alles Wichtige über Schizophrenie und ihre Auswirkungen.

Diese Seite informiert über die Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten von Schizophrenie, um ein umfassendes Verständnis dieser Erkrankung zu vermitteln.

Schizophrenie erklärt

Schizophrenie ist eine ernsthafte psychische Erkrankung, die das Denken, die Wahrnehmung, die Gefühle und das Verhalten beeinflussen kann. Betroffene erleben häufig Phasen, in denen sie die Wirklichkeit anders wahrnehmen. Solche Phasen werden als Psychosen bezeichnet.

Schizophrenie bedeutet nicht, dass eine Person mehrere Persönlichkeiten besitzt. Das wäre eine andere psychische Erkrankung.

Mögliche Symptome

Die Beschwerden unterscheiden sich von Mensch zu Mensch und können unterschiedlich stark ausgeprägt sein.

1. Positivsymptome

Damit sind Erlebnisse und Verhaltensweisen gemeint, die zusätzlich zum gewöhnlichen Erleben auftreten:

  • Halluzinationen: Betroffene hören, sehen oder spüren etwas, das andere Menschen nicht wahrnehmen. Besonders häufig ist das Hören von Stimmen.
  • Wahnvorstellungen: Eine Person ist beispielsweise fest davon überzeugt, verfolgt, überwacht oder beeinflusst zu werden, obwohl dafür keine entsprechenden Belege vorliegen.
  • Ungeordnetes Denken und Sprechen: Gedanken können springen oder für andere schwer nachvollziehbar sein.
  • Ungewöhnliches Verhalten: Betroffene können sehr unruhig, verwirrt oder auffällig reagieren.

2. Negativsymptome

Hierbei gehen bestimmte Fähigkeiten oder Verhaltensweisen zurück:

  • wenig Antrieb und Energie
  • verminderter Gefühlsausdruck
  • sozialer Rückzug
  • wenig Interesse oder Freude
  • Schwierigkeiten, alltägliche Aufgaben zu erledigen
  • wenig oder sehr einsilbiges Sprechen

3. Kognitive Symptome

Auch das Denken und die Informationsverarbeitung können beeinträchtigt sein:

  • Konzentrationsprobleme
  • Schwierigkeiten beim Planen
  • Gedächtnisprobleme
  • Probleme beim Treffen von Entscheidungen

Nicht jede ungewöhnliche Wahrnehmung ist automatisch ein Zeichen für Schizophrenie. Psychotische Beschwerden können auch bei anderen Erkrankungen, durch bestimmte Substanzen oder infolge körperlicher Ursachen auftreten. Die Diagnose muss deshalb von psychiatrischen oder psychotherapeutischen Fachkräften gestellt werden.

Mögliche Ursachen

Die genaue Ursache der Schizophrenie ist noch nicht vollständig geklärt. Vermutlich wirken mehrere Faktoren zusammen:

  • genetische beziehungsweise erbliche Veranlagung
  • Veränderungen von Botenstoffen und Vorgängen im Gehirn
  • belastende Lebensereignisse und anhaltender Stress
  • Schwierigkeiten während der Schwangerschaft oder Geburt
  • Konsum bestimmter Drogen, besonders Cannabis bei entsprechender Veranlagung

Ein einzelner Faktor löst normalerweise nicht zwangsläufig eine Schizophrenie aus. Die betroffene Person und ihre Familie tragen keine Schuld an der Erkrankung.

Verlauf

Schizophrenie kann sehr unterschiedlich verlaufen. Manche Menschen erleben nur eine oder wenige psychotische Phasen. Bei anderen treten die Beschwerden wiederholt auf oder bleiben über längere Zeit bestehen. Zwischen akuten Phasen können die Symptome teilweise oder vollständig zurückgehen.

Mit professioneller Unterstützung können viele Betroffene ihre Beschwerden kontrollieren und ein selbstbestimmtes, erfülltes Leben führen.

Verhalten gegenüber Betroffenen

Angehörige und Freunde sollten ruhig und respektvoll reagieren. Es ist meist nicht hilfreich, über Wahnvorstellungen zu streiten. Besser ist es, die Gefühle und Ängste der Person ernst zu nehmen, ohne die Vorstellung als Tatsache zu bestätigen.

Bei akuter Selbst- oder Fremdgefährdung, Suizidgedanken, starker Verwirrtheit oder einer schweren psychotischen Krise muss sofort der Notruf 112 verständigt werden.

Quellen:

Statistik zur Schizophrenie in Deutschland

Schizophrenie gehört zu den vergleichsweise seltenen, aber schweren psychischen Erkrankungen. Nach Angaben der Gesundheitsberichterstattung des Bundes liegt die Lebenszeitprävalenz in Deutschland bei ungefähr 0,8 bis 0,9 Prozent. Das bedeutet, dass etwa acht bis neun von 1.000 Menschen im Laufe ihres Lebens an Schizophrenie erkranken.

Auf die heutige Bevölkerung Deutschlands übertragen entspricht das rechnerisch ungefähr 670.000 bis 760.000 Menschen. Diese Zahl ist allerdings nur eine Schätzung, da die Häufigkeit je nach Studie, Diagnosekriterien und untersuchter Personengruppe unterschiedlich ausfallen kann.

Pro Jahr erkranken ungefähr 10 bis 20 von 100.000 Menschen neu. Männer und Frauen haben insgesamt ein ähnlich hohes Erkrankungsrisiko. Bei Männern beginnt die Erkrankung durchschnittlich jedoch früher als bei Frauen.

Die ersten deutlichen Beschwerden treten häufig zwischen dem späten Jugendalter und dem jungen Erwachsenenalter auf. Nach internationalen Daten wird Schizophrenie meistens im Alter zwischen 16 und 30 Jahren erstmals diagnostiziert. Erkrankungen im Kindesalter sind selten, ein späterer Beginn ist aber ebenfalls möglich.

Schizophrenie macht nur einen kleinen Teil aller psychischen Erkrankungen aus. Insgesamt erfüllt in Deutschland innerhalb eines Jahres mehr als jeder vierte Erwachsene die Kriterien mindestens einer psychischen Erkrankung. Das entspricht etwa 17,8 Millionen Erwachsenen.

Die genannten Zahlen sind Schätzwerte und nicht direkt miteinander vergleichbar. Manche Statistiken erfassen diagnostizierte Behandlungsfälle, andere untersuchen, wie viele Menschen innerhalb eines Jahres oder während ihres gesamten Lebens erkranken. Außerdem können nicht erkannte oder nicht behandelte Erkrankungen in offiziellen Diagnosedaten fehlen.

Quellen:

ICD-10

Die ICD-10 ist ein internationales System zur Einteilung und Verschlüsselung von Krankheiten. In Deutschland wird für medizinische Diagnosen die angepasste Fassung ICD-10-GM verwendet. „GM“ steht für „German Modification“.

Schizophrenie gehört in der ICD-10-GM zum Kapitel Psychische und Verhaltensstörungen (F00–F99). Sie befindet sich in der Gruppe Schizophrenie, schizotype und wahnhafte Störungen (F20–F29). Der grundlegende Code für Schizophrenie lautet F20.-.

Nach der ICD-10 sind schizophrene Störungen insbesondere durch charakteristische Veränderungen des Denkens, der Wahrnehmung und des Gefühlsausdrucks gekennzeichnet. Mögliche Symptome sind Wahnvorstellungen, Stimmenhören, das Gefühl einer Beeinflussung von außen, Denkstörungen und Negativsymptome wie Antriebslosigkeit oder ein verminderter Gefühlsausdruck.

ICD-10-Codes der Schizophrenie

  • F20.0 – Paranoide Schizophrenie: Wahnvorstellungen und akustische Halluzinationen stehen im Vordergrund. Betroffene fühlen sich beispielsweise verfolgt, überwacht oder beeinflusst.
  • F20.1 – Hebephrene Schizophrenie: Veränderungen des Gefühlsausdrucks und ein unpassend wirkendes Verhalten stehen im Mittelpunkt. Das Denken und Sprechen können ungeordnet sein. Diese Form wird meistens bei Jugendlichen oder jungen Erwachsenen diagnostiziert.
  • F20.2 – Katatone Schizophrenie: Vor allem die Bewegungen und die psychomotorische Aktivität sind verändert. Möglich sind starke Erregung, Bewegungslosigkeit, ungewöhnliche Körperhaltungen oder fehlendes Sprechen.
  • F20.3 – Undifferenzierte Schizophrenie: Die allgemeinen Merkmale einer Schizophrenie liegen vor, lassen sich aber keiner bestimmten Unterform eindeutig zuordnen. Es können auch Merkmale mehrerer Unterformen gleichzeitig auftreten.
  • F20.4 – Postschizophrene Depression: Nach einer schizophrenen Krankheitsphase tritt eine depressive Episode auf. Einzelne Symptome der Schizophrenie sind noch vorhanden, bestimmen das Krankheitsbild aber nicht mehr.
  • F20.5 – Schizophrenes Residuum: Nach einer schizophrenen Erkrankungsphase bestehen langfristig vor allem Negativsymptome. Dazu gehören Antriebsmangel, sozialer Rückzug, wenig Gefühlsausdruck und nachlassende Leistungsfähigkeit.
  • F20.6 – Schizophrenia simplex: Die Erkrankung entwickelt sich langsam. Antrieb, Leistungsfähigkeit und soziale Fähigkeiten nehmen ab, ohne dass zuvor deutlich ausgeprägte Halluzinationen oder Wahnvorstellungen aufgetreten sein müssen.
  • F20.8 – Sonstige Schizophrenie: Dieser Code wird für andere Formen verwendet, die nicht unter die zuvor genannten Kategorien fallen.
  • F20.9 – Schizophrenie, nicht näher bezeichnet: Dieser Code wird verwendet, wenn eine Schizophrenie festgestellt wurde, aber keine genauere Unterform angegeben werden kann.

Zusatzbuchstaben auf medizinischen Unterlagen

In der ambulanten Versorgung können ICD-Codes durch einen Buchstaben ergänzt werden:

  • G bedeutet gesicherte Diagnose.
  • V bedeutet Verdachtsdiagnose.
  • A bedeutet ausgeschlossene Diagnose.
  • Z bedeutet Zustand nach einer früheren Erkrankung.

Beispielsweise steht F20.0 G für eine gesicherte Diagnose einer paranoiden Schizophrenie. Ein ICD-Code allein ermöglicht jedoch keine Selbstdiagnose. Seine genaue Bedeutung sollte mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt besprochen werden.

Quellen:

Diagnoseverfahren bei Schizophrenie

Die Diagnose einer Schizophrenie wird normalerweise durch eine Fachärztin oder einen Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie gestellt. Es gibt keinen einzelnen Bluttest, Gehirnscan oder Fragebogen, mit dem Schizophrenie eindeutig nachgewiesen werden kann. Die Diagnose ergibt sich aus mehreren Untersuchungen und Gesprächen.

1. Ausführliches Gespräch

Im Mittelpunkt steht ein ausführliches ärztliches Gespräch, die sogenannte Anamnese. Dabei werden unter anderem folgende Bereiche besprochen:

  • aktuelle Beschwerden und deren Dauer
  • Halluzinationen, beispielsweise das Hören von Stimmen
  • Wahnvorstellungen oder Verfolgungsgefühle
  • Veränderungen des Denkens und Sprechens
  • Antrieb, Stimmung und Gefühlsausdruck
  • sozialer Rückzug und Veränderungen der Leistungsfähigkeit
  • frühere psychische oder körperliche Erkrankungen
  • eingenommene Medikamente
  • Alkohol- und Drogenkonsum
  • psychische Erkrankungen innerhalb der Familie

Auch die Entwicklung der Beschwerden ist wichtig. Ärztliche Fachkräfte fragen deshalb, wann die ersten Veränderungen aufgetreten sind und wie sie sich seitdem entwickelt haben.

2. Psychischer Befund

Während des Gesprächs beurteilt die Fachkraft den aktuellen psychischen Zustand. Beobachtet werden beispielsweise:

  • Bewusstsein und Orientierung
  • Aufmerksamkeit und Konzentration
  • Gedankengang und Sprache
  • Wahrnehmung
  • Stimmung und Gefühlsausdruck
  • Antrieb und Bewegungsverhalten
  • Krankheitseinsicht
  • Hinweise auf Selbst- oder Fremdgefährdung

Zusätzlich können standardisierte Fragebögen, Interviews oder Bewertungsskalen eingesetzt werden. Sie unterstützen die Einschätzung, ersetzen aber nicht das persönliche fachärztliche Gespräch.

3. Fremdanamnese

Mit Zustimmung der betroffenen Person können auch Angehörige oder andere vertraute Personen befragt werden. Sie können häufig schildern, wann Veränderungen im Verhalten, in der Stimmung oder im Alltag aufgefallen sind.

Eine Fremdanamnese ist besonders hilfreich, wenn die betroffene Person ihre Beschwerden selbst nur eingeschränkt wahrnimmt oder sich nicht vollständig daran erinnern kann.

4. Körperliche und neurologische Untersuchung

Eine körperliche und neurologische Untersuchung soll feststellen, ob die Beschwerden möglicherweise durch eine andere Erkrankung verursacht werden. Dabei werden unter anderem Kreislauf, Nervensystem, Bewegungen und Reflexe untersucht.

5. Labor- und Drogentests

Blut- und gegebenenfalls Urinuntersuchungen können helfen, körperliche oder substanzbedingte Ursachen auszuschließen. Je nach Situation werden beispielsweise untersucht:

  • Blutbild
  • Leber- und Nierenwerte
  • Blutzucker und Elektrolyte
  • Schilddrüsenwerte
  • mögliche Infektionen
  • Alkohol, Cannabis oder andere Drogen

Ein auffälliger Drogentest beweist jedoch nicht automatisch, dass die psychotischen Beschwerden ausschließlich durch die Substanz verursacht wurden. Entscheidend ist der zeitliche Zusammenhang zwischen Konsum und Symptomen.

6. Bildgebung und weitere Untersuchungen

Bei einer ersten psychotischen Episode oder bei Hinweisen auf eine körperliche Ursache können weitere Untersuchungen notwendig sein:

  • MRT oder CT: Darstellung des Gehirns, um beispielsweise Verletzungen, Tumoren oder andere neurologische Erkrankungen auszuschließen
  • EEG: Messung der elektrischen Gehirnaktivität, etwa bei Verdacht auf Epilepsie
  • Untersuchung des Nervenwassers: nur bei bestimmten Verdachtsfällen, beispielsweise einer Entzündung des Gehirns

Solche Untersuchungen können andere Ursachen erkennen oder ausschließen. Sie können Schizophrenie selbst aber nicht direkt nachweisen. Ob sie erforderlich sind, wird individuell entschieden.

7. Prüfung der Diagnosekriterien

Die festgestellten Beschwerden werden mit den Kriterien eines anerkannten Diagnosesystems verglichen. In Deutschland wird dafür hauptsächlich die ICD-10-GM verwendet.

Für eine Schizophrenie müssen charakteristische Symptome wie Wahn, Halluzinationen, bestimmte Denkstörungen oder ausgeprägte Negativsymptome über einen festgelegten Zeitraum bestehen. Nach der ICD-10 müssen die entscheidenden Beschwerden normalerweise während der meisten Zeit innerhalb eines Zeitraums von mindestens einem Monat vorhanden sein.

8. Ausschluss anderer Ursachen

Vor der endgültigen Diagnose müssen andere mögliche Erklärungen geprüft werden. Dazu gehören:

  • bipolare Störung oder schwere Depression mit psychotischen Symptomen
  • substanz- oder medikamentenbedingte Psychose
  • Epilepsie und andere neurologische Erkrankungen
  • Entzündungen oder Verletzungen des Gehirns
  • Stoffwechsel- und Schilddrüsenerkrankungen
  • Demenz oder Delir
  • andere psychotische Störungen

Die Diagnose kann deshalb mehrere Gespräche und Untersuchungen erfordern. Besonders zu Beginn einer psychotischen Erkrankung ist der weitere Verlauf wichtig, weil sich das Krankheitsbild erst mit der Zeit eindeutig zuordnen lassen kann.

Quellen:

Behandlungsverfahren bei Schizophrenie

Die Behandlung einer Schizophrenie wird individuell auf die Beschwerden, die Krankheitsphase und die Lebenssituation der betroffenen Person abgestimmt. Häufig werden Medikamente, Psychotherapie und psychosoziale Unterstützung miteinander kombiniert. Ziel ist es, akute Beschwerden zu verringern, Rückfälle zu verhindern und ein möglichst selbstständiges Leben zu ermöglichen.

1. Medikamentöse Behandlung

Zur Behandlung werden vor allem Antipsychotika, auch Neuroleptika genannt, eingesetzt. Sie können besonders Halluzinationen, Wahnvorstellungen, Denkstörungen und starke Unruhe vermindern.

Welches Medikament geeignet ist, hängt unter anderem von seiner Wirkung, möglichen Nebenwirkungen, früheren Behandlungserfahrungen und den Wünschen der betroffenen Person ab. Mögliche Nebenwirkungen sind beispielsweise:

  • Müdigkeit und Antriebsminderung
  • Gewichtszunahme
  • Veränderungen von Blutzucker und Blutfetten
  • Bewegungsstörungen
  • sexuelle Funktionsstörungen
  • hormonelle Veränderungen

Deshalb sind regelmäßige körperliche Untersuchungen und Blutkontrollen wichtig.

Antipsychotika gibt es als Tabletten, Flüssigkeit oder Depotpräparate. Depotmedikamente werden in bestimmten Zeitabständen gespritzt und geben den Wirkstoff langsam ab. Sie können hilfreich sein, wenn eine regelmäßige Tabletteneinnahme schwierig ist oder von der betroffenen Person bevorzugt werden.

Medikamente dürfen nicht plötzlich und nicht ohne ärztliche Rücksprache abgesetzt werden, da dadurch das Rückfallrisiko steigen kann.

2. Psychotherapie

Psychotherapie kann dabei helfen, die Erkrankung zu verstehen und besser mit den Beschwerden umzugehen. Häufig wird eine an Psychosen angepasste kognitive Verhaltenstherapie eingesetzt.

Dabei können Betroffene lernen:

  • belastende Gedanken und Wahrnehmungen zu überprüfen
  • besser mit Stimmen oder Wahnvorstellungen umzugehen
  • Stress und persönliche Auslöser zu erkennen
  • Frühwarnzeichen eines Rückfalls wahrzunehmen
  • Probleme im Alltag schrittweise zu bewältigen
  • das Selbstvertrauen und die Lebensqualität zu verbessern

Psychotherapie ersetzt die medikamentöse Behandlung in einer akuten Psychose normalerweise nicht, kann sie aber sinnvoll ergänzen.

3. Psychoedukation

Bei der Psychoedukation erhalten Betroffene verständliche Informationen über die Erkrankung. Dazu gehören Symptome, mögliche Ursachen, Behandlungsmöglichkeiten und Anzeichen eines Rückfalls.

Gemeinsam kann ein persönlicher Krisenplan erstellt werden. Darin wird festgehalten, welche Warnzeichen auftreten können, was die betroffene Person selbst tun kann und wer im Notfall kontaktiert werden soll.

4. Familieninterventionen

Wenn die betroffene Person zustimmt, können Angehörige in die Behandlung einbezogen werden. Familiengespräche helfen dabei, die Erkrankung besser zu verstehen, Konflikte zu reduzieren und angemessen auf Krisen zu reagieren.

Angehörige können außerdem lernen, Betroffene zu unterstützen, ohne sie zu überfordern. Gleichzeitig sollten sie Hilfe für ihre eigene Belastung erhalten.

5. Psychosoziale Unterstützung

Schizophrenie kann Ausbildung, Beruf, Wohnen und soziale Beziehungen beeinträchtigen. Psychosoziale Angebote unterstützen deshalb bei der Bewältigung des Alltags. Dazu gehören:

  • Unterstützung bei Schule, Ausbildung oder Studium
  • berufliche Rehabilitation und begleitete Beschäftigung
  • Hilfen bei der Arbeitsplatzsuche
  • betreutes oder unterstütztes Wohnen
  • Training sozialer und alltäglicher Fähigkeiten
  • Ergotherapie
  • Unterstützung bei Behörden und finanziellen Problemen
  • Selbsthilfe- und Peer-Angebote

Ziel ist es, Selbstständigkeit und gesellschaftliche Teilhabe zu fördern.

6. Kognitives Training

Bei Problemen mit Aufmerksamkeit, Gedächtnis oder Planung können spezielle Trainingsprogramme eingesetzt werden. Die sogenannte kognitive Remediation soll Denk- und Lernfähigkeiten verbessern und ihre Anwendung im Alltag unterstützen.

7. Ambulante, teilstationäre und stationäre Behandlung

Viele Betroffene können ambulant in einer psychiatrischen oder psychotherapeutischen Praxis behandelt werden. Zusätzliche Unterstützung bieten psychiatrische Institutsambulanzen und sozialpsychiatrische Dienste.

Eine Tagesklinik kommt infrage, wenn eine intensive Behandlung notwendig ist, die Person aber weiterhin zu Hause leben kann.

Eine stationäre Behandlung kann erforderlich sein, wenn:

  • eine schwere akute Psychose vorliegt
  • die Versorgung im Alltag nicht mehr möglich ist
  • Medikamente neu eingestellt werden müssen
  • eine erhebliche Selbst- oder Fremdgefährdung besteht
  • Suizidgedanken auftreten
  • die betroffene Person nicht mehr ausreichend isst oder trinkt

8. Behandlung bei unzureichender Wirkung

Wenn mindestens zwei ausreichend lange und angemessen dosierte Behandlungsversuche mit unterschiedlichen Antipsychotika keine ausreichende Wirkung zeigen, kann eine behandlungsresistente Schizophrenie vorliegen. In diesem Fall wird häufig der Wirkstoff Clozapin geprüft. Wegen möglicher schwerer Nebenwirkungen sind dabei regelmäßige Blutbildkontrollen erforderlich.

In besonderen schweren Fällen kann eine Elektrokonvulsionstherapie (EKT) erwogen werden, etwa bei ausgeprägter Katatonie oder wenn andere Behandlungen nicht ausreichend wirken. Dabei wird unter Narkose kontrolliert ein kurzer elektrischer Reiz ausgelöst.

9. Rückfallvorbeugung und Nachsorge

Auch nach dem Abklingen einer akuten Psychose ist eine weitere Betreuung wichtig. Zur Rückfallvorbeugung gehören:

  • regelmäßige ärztliche Termine
  • vereinbarte Einnahme der Medikamente
  • Psychotherapie und Psychoedukation
  • ausreichend Schlaf und ein geregelter Alltag
  • Vermeidung von Cannabis und anderen Drogen
  • Erkennen persönlicher Frühwarnzeichen
  • ein schriftlicher Krisenplan
  • Unterstützung durch Angehörige oder Vertrauenspersonen

Bei akuter Selbst- oder Fremdgefährdung, Suizidabsichten oder einer schweren psychotischen Krise muss sofort der Notruf 112 verständigt werden.

Quellen: