Erfahren sie mehr über die Bipolare Störung
Diese Seite informiert ausführlich über die Symptome und Behandlungsmöglichkeiten der bipolaren Störung, um Betroffenen und Angehörigen umfassendes Wissen und Unterstützung zu bieten.
Was ist eine Bipolare Störung?
Eine Bipolare Störung (früher „manische Depression“) ist eine psychische Erkrankung, bei der es zu extremen Schwankungen von Stimmung, Energie und Aktivität kommt. Betroffene erleben phasenweise das komplette Gegenteil von normalem Wohlbefinden: Sie pendeln zwischen Phasen der Manie (Hoch) und der Depression (Tief).
Die zwei Extreme
Die manische Phase: Hier sind die Betroffenen oft euphorisch, extrem aktiv, impulsiv und haben ein stark vermindertes Schlafbedürfnis. Das Denken ist beschleunigt und es kann zu völliger Selbstüberschätzung bis hin zu riskantem Verhalten führen (z. B. unüberlegte Geldausgaben). Manchmal ist die Stimmung in dieser Phase auch extrem gereizt und aggressiv.
Die depressive Phase: Das Gegenteil ist eine tiefe Niedergeschlagenheit, Antriebslosigkeit, extreme Erschöpfung und ein starker Verlust von Freude oder Interesse. Betroffene ziehen sich oft völlig zurück, leiden unter massiven Schuldgefühlen und in schweren Fällen an Suizidgedanken.
Die drei Arten der Bipolaren Störung
Bipolar-I-Störung: Charakterisiert durch mindestens eine voll ausgeprägte, meist behandlungsbedürftige manische Episode. Im Wechsel dazu treten fast immer schwere depressive Episoden auf.
Zyklothymia (Zyklothyme Störung): Eine mildere, aber chronische Form, bei der über mindestens zwei Jahre hinweg ständig schwankende Stimmungszustände auftreten – allerdings ohne die Kriterien für eine schwere Episode zu erfüllen.
Bipolar-II-Störung: Hier wechseln sich schwere depressive Episoden mit einer leichteren Form des Hochs ab, der sogenannten Hypomanie. Die Betroffenen erleben keine extremen, zerstörerischen Manien.
ICD-10
Definition nach ICD-10
Für die Diagnose einer bipolaren affektiven Störung müssen mindestens zwei Episoden von Stimmungsschwankungen und Aktivitätsänderungen aufgetreten sein. Mindestens eine dieser Episoden muss eine Manie oder Hypomanie (übersteigerte Stimmung und Energie) gewesen sein. Dazwischen liegen in der Regel Phasen unauffälliger Stimmung.
Die Unterkategorien (F31.0 bis F31.9)
Die genaue F31-Kodierung hängt von der aktuell im Vordergrund stehenden Episode ab, wobei F31.0 bis F31.5 die akuten Zustände (hypoman, manisch, depressiv, jeweils mit/ohne Psychose) abbilden. F31.6 bezeichnet eine gemischte Episode, F31.7 einen remittierten Zustand, während F31.8 und F31.9 für sonstige oder nicht näher bezeichnete Formen stehen.
Wichtige Sonderformen
- Bipolar-II-Störung (unter F31.8): Wiederkehrende schwere Depressionen wechseln sich mit leichteren manischen Phasen (Hypomanien) ab.
- Zyklothymia (F34.0): Chronische Stimmungsschwankungen, die jedoch nicht die Kriterien einer vollen bipolaren Störung erfüllen.
Diagnose
Grundvoraussetzungen für die Diagnose
- Episodenwechsel: Es müssen mindestens zwei Episoden aufgetreten sein.
- Phasenreinheit: Dazwischen liegen oft Phasen völlig normaler Stimmung und Leistungsfähigkeit.
- Ausschluss: Andere Ursachen (z. B. Schilddrüsenüberfunktion, Drogenkonsum oder Medikamente) müssen ausgeschlossen sein.
Die Einteilung in die gegensätzlichen Phasen erfolgt nach spezifischen Symptomen, die über einen definierten Zeitraum vorliegen müssen:
Die manische Episode
In der Manie ist die Stimmung abnormal und dauerhaft gehoben, euphorisch oder gereizt.
- Dauer: Mindestens 7 Tage (oder so schwerwiegend, dass eine sofortige Krankenhauseinweisung nötig ist).
- Kernkriterien (mindestens 3 müssen vorliegen, bei Reizbarkeit 4):
- Gesteigerter Antrieb oder motorische Unruhe
- Vermindertes Schlafbedürfnis
- Extreme Gesprächigkeit („Rededrang“)
- Ideenflucht oder das Gefühl, die Gedanken überschlagen sich
- Verlust normaler sozialer Hemmungen, Taktlosigkeit
- Übersteigertes Selbstgefühl oder Größenwahn
- Leicht ablenkbar, ständiger Wechsel von Aktivitäten
- Risikofreudiges oder leichtsinniges Verhalten (z. B. exzessive Geldausgaben, riskante Geschäfte)
Die depressive Episode
In der Depression ist die Stimmung tief gedrückt, oft begleitet von einem massiven Interessenverlust und Antriebsmangel.
- Dauer: Mindestens 2 Wochen.
- Hauptsymptome (mindestens 2 müssen vorliegen):
- Gedrückte Stimmung
- Deutlicher Verlust von Interesse und Freude
- Verminderter Antrieb, erhöhte Ermüdbarkeit
- Zusatzsymptome (weitere Beschwerden wie):
- Verminderte Konzentration und Aufmerksamkeit
- Vermindertes Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl
- Schuldgefühle oder Gefühle von Wertlosigkeit
- Negative und pessimistische Zukunftsperspektiven
- Schlafstörungen oder verminderter Appetit
- Suizidgedanken oder -handlungen
Behandlung
Die Behandlung einer bipolaren Störung ist nicht heilbar, aber mit einem multimodalen Ansatz sehr gut behandelbar. Der Goldstandard umfasst das Zusammenspiel aus drei Säulen:
- Medikamentöse Therapie (Phasenprophylaxe): Akutbehandlung und langfristige Vorbeugung von manischen oder depressiven Episoden. Typische eingesetzte Stimmungsstabilisatoren sind Lithium (wirksamstes Mittel gegen Rückfälle) sowie Antiepileptika (wie Lamotrigin) und spezielle atypische Neuroleptika.
- Psychotherapie: Spezifische Therapien (insbesondere die kognitive Verhaltenstherapie, Psychoedukation und soziale Rhythmustherapie) helfen Betroffenen, Frühwarnzeichen zu erkennen, Stress zu bewältigen und den geregelten Alltag aufrechtzuerhalten.
- Soziale Unterstützung & Angehörige: Der Einbezug des sozialen Umfelds sowie Psychoedukationsgruppen senken das Rückfallrisiko erheblich.
